Nach deutschem Recht wird nicht nur diejenige Person bestraft, die ohne die entsprechende Fahrerlaubnis ein Fahrzeug führt. Auch der- oder diejenige, die das Fahrzeug einem Unberechtigten „zugänglich“ macht, ist dran. Die Staatsanwaltschaft hatte einem 74-jährigen Mann aus dem Maintal genau diesen Vorwurf gemacht und ihm einen 350-Euro-Strafbefehl geschickt. Weil dieser dagegen Einspruch eingelegt hatte, kam es nun zu der Verhandlung vor dem Haßfurter Amtsgericht. Das Verfahren wurde ohne Verurteilung eingestellt.

Die ganze Sache hatte sich folgendermaßen abgespielt: Am 3. Februar dieses Jahres führte eine Streife der Haßfurter Polizei zwischen Eltmann und Bamberg eine Verkehrskontrolle durch. Dabei stoppten sie auch ein Auto, in dem eine 41-jährige Frau saß. Der Polizeibeamte , der damals im Einsatz war, schilderte im Zeugenstand den Vorgang. Bei der Kontrolle sei die Fahrerin sehr nervös gewesen und habe erklärt, dass sie ihren Führerschein zu Hause vergessen habe. Daraufhin riefen die Polizisten in ihrer Zentrale an, um zu überprüfen, ob die Frau überhaupt eine Fahrerlaubnis besaß. Wie sich herausstellte, wurde der Hausfrau diese Fahrerlaubnis bereits 2007 entzogen.

Schnell konnte ermittelt werden, dass der Schwiegervater der Frau als Halter des Wagens eingetragen war. Da er „zugelassen“ hatte, dass seine Schwiegertochter sein Auto benutzte, erhielt er vom Staatsanwalt einen Strafbefehl über 350 Euro. Weil er dagegen rechtzeitig Einspruch einlegte, kam es nun zu der öffentlichen Hauptverhandlung.

Amtsrichterin Bettina Thanner fragte, wie es dazu kommen konnte. Der Rentner sagte, er und seine Schwiegertochter mit Familie wohnten im selben Haus. Er bewohne die Räume im Erdgeschoss, die junge Familie mit Sohn , Schwiegertochter und Enkelkindern seien im 1. Stock. Seine Wohnung, so der Rentner, stehe immer offen, so dass seine Angehörigen und die Enkel ihn jederzeit besuchen könnten. Der Autoschlüssel, sagte er auf Nachfrage, hänge offen zugänglich am Schlüsselbrett neben der Eingangstür.

Am 3. Februar 2021 sei er zu Fuß am Main entlang unterwegs gewesen, sagte der 74-Jährige. Er habe nicht gewusst, dass seine Schwiegertochter keine Fahrerlaubnis hat. Den Autoschlüssel habe sie ohne sein Wissen und ohne seine Einwilligung an sich genommen. Dass die Frau damals mit seinem Auto davongefahren sei, habe er überhaupt nicht mitgekriegt. Da sein Sohn beinamputiert sei, habe er normalerweise immer seine Schwiegertochter zum Einkaufen gefahren und sie begleitet.

Daraufhin rief die Vorsitzende auch die Schwiegertochter in den Zeugenstand. Sie machte von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern.

Da der Angeklagte strafrechtlich eine blütenweiße Weste hat, regte die Strafrichterin daraufhin eine Einstellung des Verfahrens an. Ilker Özalp von der Staatsanwaltschaft war damit einverstanden, redete dem Rentner aber ins Gewissen, zukünftig Sorge zu tragen, dass so etwas nicht wieder passiert.

Damit hat sich für den Senior der Einspruch gleich doppelt gelohnt: Zum einen braucht er keine Strafe zu bezahlen, zum anderen bleibt sein Vorstrafenregister „sauber“.