„Ihnen ist anscheinend scheißegal, was die Polizei sagt“, maßregelte Richter Christoph Gillot am Mittwoch einen 40-jährigen Arbeitslosen aus dem Maintal, der wegen Schwarzfahrens und Drogenbesitzes auf der Anklagebank des Amtsgerichts saß. Dreimal innerhalb von zwei Tagen erwischten die Ordnungshüter den Angeklagten im Februar dieses Jahres, als er ohne Führerschein, dafür aber mit Drogen im Blut Auto fuhr. Außerdem fanden die Beamten bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten rund ein Gramm Marihuana. Dafür verurteilte ihn der Richter zu einer 15-monatigen Bewährungsstrafe . Im Urteil inbegriffen ist ein Urteil des Amtsgerichts Forchheim , von dem der Angeklagte im Mai zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde.

Fluchtversuch war vergeblich

Am 6. Februar war der geschiedene Arbeiter in Eltmann auf der Bamberger Straße gefahren, als er hinter sich eine Polizeistreife sah, die ihn aufforderte, anzuhalten. Stattdessen versuchte der Fahrer zu entkommen, indem er – ohne zu blinken – in eine Seitenstraße einbog. Den Beamten gelang es jedoch, den Flüchtigen zu stellen. Da dieser seit dem Jahr 2016 keinen Führerschein mehr hat und – wie sich nach einer Blutprobe herausstellte – Drogenrückstände im Blut hatte, erhielt er eine Anzeige.

Die hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich am nächsten Tag wieder ans Lenkrad zu setzen. Diesmal wurde ihm ein aufmerksamer Polizist zum Verhängnis, der ihm zwischen Ebelsbach und Steinbach entgegenkam und ihn erkannte.

Nur wenige Stunden später geriet er in eine Radarfalle, die die Polizisten in der Nähe seiner Wohnung aufgestellt hatten. Als die Beamten ihn daraufhin in seiner Wohnung aufsuchten, gab er die erneute Schwarzfahrt zu. Weil den Polizisten „Gras“-Geruch in die Nasen stieg, untersuchten sie die Wohnung des Angeklagten und fanden die geringe Menge des Cannabis-Produkts.

Vor Gericht versuchte der Angeklagte , seine Verfehlungen kleinzureden. Er habe seine Eltern fahren müssen. Nur einen Tag nach der Wohnungsdurchsuchung habe er das Auto verkauft. Seitdem sei er nie mehr gefahren. Bis März dieses Jahres sei er noch an der Nadel gehangen und habe sich Heroin gespritzt. Dann habe er einen zweiwöchigen kalten Entzug durchgemacht und sei seitdem drogenfrei.

Fünf Vorstrafen auf dem Kerbholz

Ein Unbekannter ist der Angeklagte vor Gericht nicht: Fünf Vorstrafen hat er in seinem Sündenregister stehen – zumeist einschlägige Verkehrsdelikte. Zuletzt wurde er im Mai verurteilt, weil er im Jahr 2019 den Führerschein eines anderen entwendet und ihn mit seinem Namen und Lichtbild überklebt hatte. Bei einer Verkehrskontrolle auf der A 73 bei Eggolsheim fiel den Polizeibeamten der Schwindel natürlich sofort auf.

Die Staatsanwältin forderte eine Haftstrafe von neun Monaten ohne Bewährung. Die habe der Angeklagte nicht verdient, da er Bewährungsauflagen nicht beachtet und gegen ihn verhängte Arbeitsstunden nicht abgeleistet hatte.

Verteidiger Alexander Wessel hielt eine Bewährungsstrafe von neun Monaten für angemessen. Nach der Scheidung seines Mandanten im Jahr 2016 sei dessen Leben „den Bach runtergegangen“. Mittlerweile habe er das Auto verkauft und sei drogenfrei.

Richter Gillot ging in seinem Strafmaß über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. „Ich bin erschrocken über diese Milde. Sie sind gefängnisreif!“, schrieb er dem Angeklagten hinter die Ohren. Einzig die Tatsache, dass er sein Auto verkauft habe und die Hände von Drogen lasse, habe ihn davon abgehalten, ihn hinter Gitter zu schicken.

Als Auflage muss der Verurteilte unter anderem 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.