Es gibt bestimmt nur wenige, die die Lisbeth nicht kennen. Und diese Lisbeth - ihr vollständiger Name ist Elisabeth Baier - kann am heutigen Dienstag in Königsberg ihren 90. Geburtstag feiern. Sie ist waschechte Königsbergerin, denn vor neun Jahrzehnten erblickte sie in der Regiomontanusstadt das Licht der Welt. Und in dieser Zeit hat Lisbeth viel für ihre Heimatstadt getan. Dabei hatte sie es am Anfang gar nicht so leicht.

Elisabeth war die Älteste von neun Kindern und musste schon in jungen Jahren ihrer Mutter unter die Arme greifen. Vor allem die sechs Brüder machten ihr das Leben nicht immer leicht. Nach dem Tod ihrer Mutter 1986 übernahm sie die mütterliche Fürsorge für ihre Geschwister , für die sie "das letzte Hemd" hergegeben hätte, wie ihre jüngere Schwester Dorle dazu sagt.

"Blumen-Elisabeth"

Von 1952 bis 1973 arbeitete Lisbeth bei den Fränkischen Leuchten in Königsberg . Als ihr Bruder das 1960 von ihm gegründete Blumengeschäft am Steinweg in Königsberg fünf Jahre später an seine Mutter Anna übergab, half Elisabeth neben ihrem Beruf noch im Laden. Sie fand Spaß an dieser Arbeit und arbeitete ab 1971 nur noch drei Stunden täglich in der "Leuchten".

1986 wurde sie Inhaberin des Ladens, den sie dann 1993 ihrem Sohn Bernd überschrieb. Der Name "Blumen-Elisabeth" ist aber geblieben und steht noch heute für das einzige Blumengeschäft in der Stadt.

Liebenswürdig und lebenslustig

Wer schon einmal mit Lisbeth zu tun hatte, der konnte sie als einen stets liebenswürdigen, verantwortungsvollen, wissbegierigen Menschen erleben, der sich am wohlsten in geselliger Runde fühlt. Mit dieser großen Lebenslust hat sie auch schwere Zeiten bravourös gemeistert. Eine große Hilfe ist ihr dabei vor allem ihr starker Glaube. Eine besondere Freude bereitet ihr seit fast 50 Jahren das Amt der Lektorin in der evangelischen Kirche . Im Laufe der Zeit hat sie in Königsberg und darüber hinaus unzählige Gottesdienste geleitet. Seit ihrer Jugendzeit war sie Sängerin und sie ist auch Mitbegründerin des ökumenischen Kirchenchores Königsberg . Im Kirchenvorstand war sie viele Jahre als Vertrauensfrau aktiv und über 20 Jahre zudem Mitglied des Dekanatsausschusses.

Auch in ihrem hohen Alter muss Lisbeth immer beschäftigt sein, sonst ist sie unglücklich. In ihrer Freizeit strickt und häkelt sie sehr viel und lernt auch fleißig Gedichte, meistens in Mundart. Diese (auch recht lange) trägt sie dann, oft zum Erstaunen der Zuhörer, bei verschiedenen Gelegenheiten auswendig vor. Auch bindet sie immer noch wunderschöne Blumenkränzchen.

Aufgrund ihrer jahrzehntelangen Lektorentätigkeit hat sie im Laufe ihres Lebens sehr viele Freundschaften geschlossen. Über die Jubilarin kann man sagen, dass sie ein Mensch ist, der den Alltag wie ein Sonnenstrahl erhellt.

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungen haben Lisbeth einen Strich durch ihren Geburtstag gemacht, denn die geplante große Feier musste abgesagt werden. Coronabedingt sind auch keine persönlichen Besuche möglich. Lisbeth würde sich aber sicherlich über Glückwünsche in schriftlicher Form sehr freuen. sn