Für Betroffene beinahe eine Selbstverständlichkeit ist die Tatsache, dass das Therese-Stählin-Haus in Maroldsweisach erste Anlaufstelle für jene Bürger ist, die einen Tagespflegeplatz oder stationären Pflegeplatz benötigen. Die Einrichtung besteht nun ein Vierteljahrhundert.

Im Februar des Jahres 1989 unterbreitete der damalige Ortspfarrer und Vorsitzende des Diakonievereins, Helmut Kastner, in der Jahresversammlung des Diakonievereins Sozialstation Maroldsweisach den Vorschlag, in unmittelbarer Nähe der Kirche ein Gemeindehaus - es handelt sich dabei um die "Arche" - zu erstellen. In diesem Zusammenhang bot die Kirchengemeinde dem Diakonieverein den ehemaligen Kindergarten in der Zeilbergsiedlung zum Kauf an. Die Wohnung der Kindergartenleitung war bereits als Diensträume von der evangelischen Sozialstation angemietet.

Schon ein Jahr später wurde es konkret. Bei der geplanten Baumaßnahme wurden nun neben den Diensträumen der Sozialstation, der Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Haßberge mit dem sozialen Beratungsdienst sowohl Pflegestation als auch eine Dienstwohnung vorgesehen. Das Vorhaben würde dabei wohl den Betrag von einer Million Mark auf jeden Fall übersteigen, hieß es damals.

Im Frühjahr des nächsten Jahres stand die käufliche Übernahme des alten Kindergartens als Tagesordnungspunkt auf der Agenda bei der Jahresversammlung des Diakonievereins. Und schon im Herbst wollte der Verein das genannte Gebäude von der Kirchengemeinde käuflich erwerben. Man hatte vor, in naher Zukunft durch einen Anbau eine Kurzzeitpflegestation als Ergänzung zur Arbeit der bestehenden Sozialstation zu errichten.

Die Gesamtbaukosten der neuen Kurzzeitpflegestation wurden auf knapp drei Millionen Mark beziffert, wobei die Verantwortlichen auf einen kräftigen Zuschuss seitens des Bundes, des Landkreises und der Marktgemeinde hofften. In der Einrichtung wurden zwei Tagespflegeplätze sowie acht Kurzzeitpflegeplätze eingeplant. Als Betreiber wurde das Diakonische Werk Haßberge benannt.

Doch schon bald zogen dunkle Wolken am "Finanz-Horizont" auf: Der Freitstaat Bayern habe, so hieß es, in absehbarer Zeit kein Geld für solche und ähnliche Projekte. Pfarrer Kastner machte sich stark für das Vorhaben und erklärte, dass mit der Einrichtung auf ein altes bayerisches Modell zurückgegriffen würde; den Patienten werde damit bewusst gemacht, dass sie nicht abgeschoben seien. Der Vorsitzende verwies zudem auf die Tatsache, dass es sich Familien vielfach nicht leisten könnten, Angehörige in stationäre Einrichtungen zu geben. Damals gab es nur "eingestreute" Kurzzeitpflegeplätze in vollstationären Einrichtungen, das heißt, nur kurzfristige und kaum planbare Belegung von Vollzeitpflegeplätzen. Die Kurzzeitpflege war als Entlastung der pflegenden Angehörigen vorgesehen, in der Regel 14 Tage jährlich.

Das Projekt ging voran: Nachdem alle Hürden überwunden schienen, stand dem Baubeginn nichts mehr im Wege: Die für Oktober geplante Grundsteinlegung fand dann aber erst Anfang Dezember statt. Die Einweihung des neuen Gebäudes als Kurzzeit- und Tagespflegestation, das nun den Namen "Therese-Stählin-Haus" trägt, erfolgte vor 25 Jahren am 3. März 1996.

Die Kurzzeitpflege war von Anfang an immer gut ausgelastet, so dass der Träger Erweiterungen ins Auge fassen musste. Nachdem die Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Haßberge 1999 in die ehemalige alte Post in der Hauptstraße in Maroldsweisach umgezogen war, konnten die Büroräume im Therese-Stählin-Haus umgebaut und ebenfalls für Pflegeplätze genutzt werden. Bald entstand auch der Wunsch nach stationären Dauerpflegeplätzen, und man stellte bereits nach zehn Jahren die Idee in den Raum, Einzelzimmer fest zu belegen, was aber zunächst kein Gehör fand; dieser Vorschlag wurde dann erst im Jahr 2008 verwirklicht.

Ebern im Gespräch

Doch bevor es so weit war, mussten etliche Probleme bewältigt werden. So drohte unter anderem die Verlegung der Kurzzeitpflegestation nach Ebern in das dortige Krankenhaus; eine Idee, die dann doch nicht realisiert wurde.

Nun standen die Verantwortlichen vor der Aufgabe, einen Anbau zu verwirklichen. Pläne hierzu gab es bereits im Jahr 2011, in dem Jahr, als Pfarrer Wolfgang Scheidel als Diakoniebeauftragter eingesetzt wurde. Der erste Spatenstich erfolgte am 30. Juni 2015, und Anfang August des darauffolgenden Jahres konnte die Einweihung gefeiert werden.

Das Therese-Stählin-Haus kann in diesen Tagen auf sein 25-jähriges Bestehen zurückblicken. Das Angebot umfasst die Versorgung bei Pflege und Betreuung, bietet es doch für bis zu 18 Bewohner eine familiäre Atmosphäre. Die Einrichtung der vollstationären Dauerpflege hält zusätzlich auch vier "eingestreute" Plätze der Tagespflege vor und stellt daneben Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung. Im Hinblick auf die Corona-Pandemie ist das Therese-Stählin-Haus das einzige Haus im Landkreis, das noch zuverlässig Kurzzeitpflegeplätze bereitstellt.

Eine gute Versorgung und Atmosphäre für die betroffenen Menschen ist nur möglich, wenn sich die Bewohner wohlfühlen und die Mitarbeitenden sich engagieren. Beides treffe uneingeschränkt zu, so die Einschätzung von Pfarrer Wolfgang Scheidel, dem geschäftsführenden Zweiten Vorsitzenden des Diakonischen Werkes Haßberge: "Mit Heimleiterin Christine Deininger und Pflegedienstleiterin Erika Jünger haben wir ein kongeniales Leitungsteam. Zudem erleben wir immer wieder, dass neue Bewohner Kraft, Zuversicht, Zufriedenheit und eine verbesserte gesundheitliche Verfassung gewinnen sowie fröhlich und zufrieden in der Hausgemeinschaft leben."

Was eine mögliche Feier mit einem Dankgottesdienst anlässlich des Jubiläums betrifft, so will man sich erst Gedanken darüber machen, wenn ohne Einschränkungen gefeiert werden darf.