"Was ist nur aus der Gemeinde Breitbrunn geworden?". Die Frage stellt An-dreas Fösel in einer Stellungnahme zu der Kontroverse um die Steinbruchpläne der Bamberger Firma Graser in der Gemeinde Breitbrunn . Die Auseinandersetzung hatte zuletzt auch im Gemeinderat Wirkung gezeigt und zum Rücktritt des Zweiten Bürgermeisters und eines Ratsmitglieds geführt: "Als Dritter Bürgermeister von Breitbrunn bin ich sehr bestürzt über die aktuelle Situation in unserer Gemeinde", schreibt er in einer E-Mail an diese Zeitung.

In den letzten zwölf Jahren habe sich in der Gemeinde einiges verändert. So sei sehr viel in das Feuerwehrwesen investiert worden, in den Bauhof , in ein Baugebiet sowie in den Bereich Soziales. Weiter nennt er das Gemeinschaftshaus in Kottendorf als Errungenschaft und den Kreuzweg, der das Dorf weit über die Haßberge hinaus bekannt mache. Trotz enormer Investitionen und einem Schuldenabbau von knapp 600 000 Euro steht die Gemeinde laut Fösel finanziell sehr gut da.

Vorzeigegemeinde

" Breitbrunn hatte sich zu einer Vorzeigegemeinde entwickelt und erhielt hohes Ansehen im ganzen Landkreis, das durch den Gewinn des Wettbewerbs ,Unser Dorf hat Zukunft' auf Kreisebene noch einmal unterstrichen wurde", schreibt Fösel. Seinen Stolz auf die Gemeinde habe er mit seiner Arbeit im Gemeinderat sichern und weiter vorantreiben wollen. Jedoch sei dies schwieriger als gedacht.

Nach der Ablehnung der Erlebniswelt im Gemeinderat seien aufgrund seiner Initiative die Kosten und Förderungen neu und realistisch betrachtet worden. Der Gemeinderat habe dann mit einem Grundsatzentscheid (11:2) dafür gestimmt.

"Hetzjagd"

Eine Bürgerversammlung und damit die Weitergabe fundierter Fakten zur Sandsteinerlebniswelt, bei nachfolgenden Gemeinderatssitzungen immer wieder gefordert, sei wegen Corona nicht möglich gewesen. "Wie", fragt der Kommunalpolitiker und Feuerwehrkommandant, "soll eine Bürgerversammlung, an der alle Generationen teilnehmen können, zu Pandemiezeiten erfolgen beziehungsweise mit welchem Hygienekonzept realisiert werden? Corona-Hotspot Breitbrunn ?"

Er persönlich sei "zutiefst empört" über Gemeinderatsmitglieder, "die teilweise Bürger nicht objektiv aufgeklärt haben, Fehlinformationen über soziale Medien verteilten und es so bewusst oder unbewusst zu einer Art ,Hetzjagd' im Dorf gebracht haben".

Dem nicht genug seien mittels eines Flyers, der ungenehmigt das Gemeindewappen trug, unter anderem von Gemeinderatsmitgliedern teilweise ohne neutrale Darstellung Unterschriften gesammelt worden. Fösel: "Wenn einzelne Bürger gezielter nachfragten, gingen die Argumente aus und es kristallisierte sich heraus, dass die Erlebniswelt angeblich zu teuer werde".

Auch vor persönlichen Unterstellungen, dass Gemeinderäte einen Vorteil bei einer Genehmigung des Bauantrages hätten, werde nicht Halt gemacht.

Das Ratsgremium habe eine Stellungnahme mit den Fakten zu dem Projekt an alle Haushalte verteilen wollen, doch wegen der Ablehnung eines Ratsmitglieds sei diese Stellungnahme verspätet und nur auf der Seite beziehungsweise in den Nachrichten der Verwaltungsgemeinschaft (VG) verbreitet worden. Fösel: "Für mich ist es unvertretbar, dass ein Gemeinderat versucht, mit Drohgebärden in Richtung München, auf die Bürgermeisterin einzuwirken."

Unverständnis äußert er auch über Gemeinderäte der letzten Legislaturperiode, "die jetzt vereinzelt nicht mehr wissen, was ihnen im Juli 2017 in der öffentlichen Ratssitzung zum Antragskonzept ,Erlebniswelt Fränkischer Sandstein' vorgestellt wurde und ausgedruckt vorlag". Diese Unterlagen sind laut Fösel auf der Homepage der VG Ebelsbach für jedermann zugänglich, auf Seite 78 alle Informationen zum geplanten Schausteinbruch (www.vg-ebelsbach.de/global/downloads/pdf/breitbrunn/antragskonzept-erlebniswelt-sandstein.pdf).

Antrag kam erst 2020

Dort war laut Fösel immer von einer Erweiterung des Sandsteinabbaus in westlicher Richtung die Rede. Die Dimension, die auch die ehemalige Bürgermeisterin Gertrud Bühl nicht gekannt habe, sei nie näher bezeichnet worden. Der Bauantrag seit erst weit nach ihrer Amtszeit im September 2020 erstellt worden. Fösel: "Für manche ist die durchschnittlich geplante abzubauende Fläche von 400 Quadratmetern (die Hälfte eines Bauplatzes) pro Jahr viel, für mich als Nebenerwerbslandwirt sehr gering und vertretbar, daher habe ich auch für den Bauantrag gestimmt."

Der Dritte Bürgermeister gibt zu bedenken: Soll die Firma Graser wegen einer halbtägigen Veranstaltung in der Erlebniswelt alle notwendigen Maschinen anliefern, zwei Stunden Sandstein brechen und danach den Sandstein entsorgen?

Motive fraglich

Die Bürger sollten sich nun ihr eigenes Bild vom Geschehen der letzten vier Wochen in Breitbrunn machen. Für ihn, Fösel, stelle sich die Frage, ob es bei alldem letztendlich wirklich "nur" um einen (Schau-)Steinbruch gehe, um die Erlebniswelt oder noch um andere Dinge, eventuell persönlicher Natur. Weiter fragt er: "Wurden die Bürger korrekt aufgeklärt, überrumpelt oder teilweise sogar missbraucht? Und wäre der Hype um den Steinbruch ohne Sandstein-Erlebniswelt auch so groß gewesen?"

Fakt sei, dass die Gemeinde Breitbrunn ihren guten Ruf im Kreis Haßberge verloren habe, das Dorf sei gespalten und in den Vereinen brodele es. Andreas Fösel erklärt: "Das alles ist zutiefst bedauerlich, da die jahrelange harte Arbeit sowie das hohe Engagement der ehemaligen Bürgermeisterin Gertrud Bühl zusammen mit den vielen ehrenamtlichen Unterstützern innerhalb kürzester Zeit zunichte gemacht wurde." red