Leserbrief zum umstrittenen Thema Nationalpark im Steigerwald:

Corona-Pandemie und Klimaschutz sind derzeit die dominierenden Themen in unserer Gesellschaft. Letzteren versuchten einige Nationalparkbefürworter für ihre Kampagne zu nutzen, nachdem mittlerweile alle anderen Argumente pro Nationalpark (NP) umfassend widerlegt wurden.

Umso bitterer muss die Enttäuschung sein, wenn unlängst von einem Expertenteam in der Zeitschrift "Biologie in unserer Zeit 1/2021 (51)" ein Bericht mit dem Titel " Klimaschutz mit Wald " erschien, der zum Ergebnis kommt, dass nur der nachhaltig bewirtschaftete Wald dauerhaft Klimaschutzleistungen erbringen kann.

Die acht Verfasser sind wissenschaftlich anerkannte Persönlichkeiten aus den Bereichen Treibhausgasmonitoring, Waldökosystem-Forschung, Naturschutz, Biologie und Bioökonomie, Boden- und Pflanzenökologie, Ökobilanzierung und Klimawandel. Sie argumentieren nicht auf dem niedrigen Niveau eines auf Selbstdarstellung ausgerichteten (Ex-)Försters Wohlleben.

Kernstück des Berichts ist ein detaillierter Vergleich bewirtschafteter und nicht bewirtschafteter Wälder und deren Folgen für die Klimaschutzwirkung. Im Zentrum der Betrachtung steht dabei der in seiner Ökobilanz einmalige, nachwachsende Rohstoff Holz, der bei seinem Wachstum den für das Klima so gefährlichen Kohlenstoff der Atmosphäre entzieht.

Nur dessen nachhaltige Nutzung als Energieträger, als Bau- und Werkstoff oder als Substitut für energieaufwendig und damit klimabelastend hergestellte Baumaterialien ist angewandter Klimaschutz . Die Nutzung dieses Rohstoffes verbietet ein Nationalpark ebenso wie den aktiven Umbau unserer Wälder in klimastabile Waldgesellschaften, eine der größten Herausforderungen für die Forstwirtschaft.

Und es kommt noch deutlicher. In der gleichnamigen Zeitschrift (5/2015  45) kommen die Autoren Professor Dr. Schulze und Professor Dr. Ammer zu folgendem Ergebnis: "In forstlich bewirtschafteten Wäldern ist die Pflanzenartenvielfalt größer als in Wäldern unter Naturschutz. Keine der obligaten Waldarten ist in den letzten 250 Jahren durch die Waldbewirtschaftung verloren gegangen. Für Arten mit besonderen Habitat-Ansprüchen sind alternative Schutzprogramme zu einer Nichtbewirtschaftung nötig, um spezielle Lebensräume zu erhalten." Bezüglich des Artenreichtums an Tieren stellen sie fest, dass dieser "in bewirtschafteten Wäldern über verschiedene Taxa hinweg keinesfalls niedriger, auf Landschaftsebene sogar höher ist als in Wäldern , die aus der Nutzung genommen werden."

Umdenken ist erforderlich

Beide Berichte sollten die politisch Verantwortlichen auf Bundes- und Landesebene zum Umdenken bewegen und der weiteren Ausweisung von Großschutzgebieten beziehungsweise größerer Naturwaldflächen schon aus Klimaschutzgründen unverzüglich Einhalt gebieten.

Der Forstbetrieb Ebrach macht es mit seinem europaweit geschätzten Waldbewirtschaftungskonzept vor, wie sich Artenschutz , Klimaschutz und aktiver Umbau der Wälder in klimatolerante Waldgesellschaften

vereinbaren lassen. Gerade die beiden wichtigen, letztgenannten Aufgaben kann ein Nationalpark nicht leisten.

Andreas Knorr

Frensdorf