Joseph Greissing : Vor 300 Jahren starb der berühmte, leider lange verkannte Baumeister Joseph Greissing (1664 – 1721). Er war ein geniale Erbauer vieler Kirchen, Schlösser und Amtssitze in Unterfranken und stand lange im Schatten seines Nachfolgers Balthasar Neumann . Eine in Fachkreisen sehr geschätzte, umfangreiche Dissertation von Johannes Mack machte die Fachwelt wieder auf ihn aufmerksam. In diesem Jubiläumsjahr finden regelmäßig Führungen in Würzburg zu dem großen Barockbaumeister statt, der hier seine größten Bauwerke errichtete.

Was haben Friesenhausen, Burgpreppach, Albersdorf, Gereuth, Untermerzbach, Ebern und Haßfurt gemein? Auch in allen diesen Orten finden sich im frühen 18. Jahrhundert entstandene barocke Bauwerke Greissings. Die später eingeführte Schreibweise „ Josef Greising “ findet man zwar in Würzburg auf dem Schild einer nach ihm benannten Straße und Schule, sie entspricht aber nicht der Schreibung, wie man sie auf alten Urkunden findet.

Greissing wurde geboren, als der Sonnenkönig Ludwig XIV. mit seinem prunkvollen Schloss in Versailles den Höhepunkt des Absolutismus in ganz Europa zum Ausdruck brachte. Die Kunst des Barock entstand während der Zeit des Absolutismus . Wie Ludwigs XIV. wollten alle bedeutenden kleinen und großen Fürsten ihrer Zeit ihre Macht mittels prachtvoller Bauten zeigen. So bauten sie ein Schloss nach dem anderen – solange ihre finanziellen Mittel es zuließen. Der Würzburger Fürstbischof Johann Philipp II. von Greiffenclau zu Vollraths war wie sein Bamberger Kollege ein typischer Vertreter dieser Zeit und eine rege Bautätigkeit setzte mit seiner Machtübernahme 1699 in Unterfranken ein.

Nachfolger von Antonio Petrini

Ursprünglich aus dem ländlichen Vorarlberg stammend war Greissing 1699 als Mitarbeiter des Stadtzimmermeisters nach Würzburg gekommen und übernahm schon bald selbst diese Rolle. Der neue Fürstbischof wurde auf ihn aufmerksam und ernannte ihn im Jahre 1701 zum „Hochfürstlich Würzburgischen Stadt- und Landbaumeister“, als Nachfolger von Baumeister Antonio Petrini . Greissing versah dieses wichtige Amt bis 1719, als die Regierungszeit des Fürstbischofs von Greiffenclau endete. Beginnend als Zimmermeister wurde aus Greissing, ohne spezielle Weiterbildung, in wenigen Jahren ein begnadeter, vielseitiger und vielbeschäftiger Baumeister und Architekt . Er muss ein besonders gutes Organisationstalent gehabt haben, denn zur Planung und Durchführung der vielfältigen Bauaktivitäten des Fürstbischofs baute er in Würzburg ein für die damalige Zeit sehr modern anmutendes Großbauunternehmen auf, mit Fachkräften aus allen für das Bauen benötigten Gewerken und Berufsgruppen .

In seiner Arbeit über Greissing bemerkt der Kunsthistoriker Johannes Mack, dass der Baumeister so in der Lage war, auch große Projekte von der Planung bis zur Fertigstellung zu realisieren und „schlüsselfertig“ zu übergeben.

Parallel zur relativ rasanten beruflichen Karriere wurde Greissing schnell ein angesehener und wohlhabender Würzburger Bürger. Er erwarb bald nach seiner Ankunft in der Stadt die Bürgerrechte , heiratete die wohlhabende Forstmeisterstochter Anna Dorothea Füsser und sie hatten zehn Kinder. 1721 verstarb er überraschend und seine Frau heiratete, wie damals nicht unüblich, seinen ersten Polier, der auch die Ausbildung eines Sohns Greissings zu einem ebenfalls erfolgreichen Baumeister übernahm.

In Ebern errichtete Greissing von 1717 bis 1719 das Amtshaus der Würzburgisch-Fürstbischöflichen Herrschaft. Zwischen dem Bau des Eberner Rathauses und dem Amtshaus, die kaum unterschiedlicher sein können, liegen also nur 30 Jahre. In dem Amtshaus wohnten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Eltern Friedrich Rückerts . Der große Dichter hielt sich zwischen 1809 und 1821 immer wieder hier auf. Das Haus trägt die Handschrift Greissings. Die Pilaster oder Wandpfeiler und die Bänderrustika, die vertikalen Reihen von unbehauenen Steinen zieren das spätere Rent- und Finanzamt ebenso wie die geohrten Fenster oder Fenster mit vorspringenden Ecken in den Rahmen. Ähnliche Stilmittel finden sich immer wieder bei anderen Amtsgebäuden von ihm. Um dieselbe Zeit baute Greissing auch die „Amtskellerei“ in Haßfurt, heute das neue Rathaus.

Die katholische Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt in Friesenhausen gilt als Urtyp der fränkischen spätbarocken Einturmfassadenkirche. Als erste barocke Kirche dieses Typs in Mainfranken wurde sie damit ein Schlüsselbau für Greissings Einführung dieses Baustils. Auf einem häufig quadratischen Grundriss wächst auf der westlichen Seite geradezu der Turm aus der Fassade hervor, fast wie ein überhöhter Mittelrisalit.

Parallel dazu baute Greissing die schlichteren Einturmfassadenkirchen in Gereuth und in Albersdorf (1714 – 1716). Die von Greissing erbaute Abteikirche in Theres bei Haßfurt, fertiggestellt 1721 kurz vor dem Tod des Baumeisters, war sein größter Einturmfassadenbau, der aber leider im Rahmen der Säkularisation der Kirchengüter abgerissen wurde und nur noch in Plänen überliefert ist. Nach diesen Kirchen entstanden in Franken zahlreiche Nachfolgebauten in diesem Stil, den später auch Balthasar Neumann pflegte.

In Gereuth plante und erstellte Greissing für Greifenclau ein privates Gebäude-Ensemble, bestehend aus der Schlosskirche, dem Renteigebäude, dem Pfarrhaus, dem ehemaligen Gasthaus Greiffenclau und dem östlichen Teil des „alten Schlosses“ (ehemaliges Wirtschaftsgebäude) sowie der Ummauerung des hinter dem alten Schloss liegenden weitläufigen Obstgartens. Unklar ist, inwieweit Greissing auch den Bau des Gereuther Schlosses plante und durchführte; nachgewiesen ist jedenfalls, dass er sämtliche Holzarbeiten im Schloss ausführte.