Wenn ein 31-jähriger Hartz-IV-Empfänger aus den Haßbergen Alkohol getrunken hatte, wurde er aggressiv. Und in den Jahren 2018 und 2019 trank er viel davon - einen Kasten Bier täglich.

Auch am 27. Februar 2018 hatte er bereits einiges intus, als er nachmittags mit einem Bekannten am Haßfurter Bahnhof wegen Geld in Streit geriet. Die Situation eskalierte.

Der 31-Jährige schubste seinen Kontrahenten, der mit dem Rücken zu den Gleisen stand, zweimal, so dass das Opfer ins Gleisbett fiel. Glücklicherweise kam erst kurze Zeit später ein Zug, und der Gestoßene hatte sich mithilfe von Augenzeugen rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

Weil der 31-Jährige außerdem seine Ex-Freundin um knapp 4000 Euro brachte und mit Scheingeschäften im Internet weitere vier Personen um rund 600 Euro betrog, hat ihn das Amtsgericht in Haßfurt am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Weitere Delikte

In das Urteil einbezogen ist eine Verurteilung des Amtsgerichts Bamberg , das den Angeklagten im vergangenen Jahr wegen Betrugs in 17 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt hatte. Der Angeklagte hatte im Jahr 2019 von 17 Internet-Nutzern insgesamt knapp 2500 Euro per Vorkasse erhalten für Waren, die er im Internet anbot, aber gar nicht besaß. Darunter waren Mobilfunkgeräte, Computerspiele oder Dauerkarten von Bundesligaclubs wie dem FC Nürnberg oder Bayern München . Die Bilder der angebotenen Waren kopierte er im Internet und stellte sie auf die Verkaufsplattformen. Genauso ging der Angeklagte bei den vier in Haßfurt angeklagten Fällen vor und ergaunerte sich so rund 600 Euro.

Von einer ehemaligen Freundin lieh er sich immer wieder Geld mit fadenscheinigen Begründungen: Mal brauchte er Geld als Anzahlung, um einen Gewinn ausgezahlt zu bekommen, mal schrieb er die Freundin unter dem Pseudonym "Sven Neumann" an und gaukelte vor, dass er Geld für seinen kranken Vater brauche. In Wirklichkeit benötigte er das Geld für Alkohol , Marihuana und seine Spielsucht.

Geständnis

Auf der Anklagebank räumte er sämtliche Vorwürfe ein. Ein Unbekannter ist er vor Gericht nicht. Acht Vorstrafen "zieren" seinen Bundeszentralregisterauszug. Sachbeschädigung , Diebstahl , Körperverletzungen, Betrug , Trunkenheit im Verkehr und ein Drogendelikt stehen in seinem Sündenregister.

Laut dem psychiatrischen Gutachter der Bezirksklinik Werneck wuchs der Angeklagte in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater war ein gewaltbereiter Alkoholiker. Eine Kochlehre brach der Angeklagte ab. Aus mehreren Arbeitsverhältnissen wurde er entlassen, weil er lieber Party machte. Er hat drei Töchter mit zwei Müttern und rund 15 000 Euro Schulden. Der Psychiater attestierte dem Angeklagten dennoch eine Aussicht auf einen Therapieerfolg.

Der Staatsanwalt forderte eine Gesamtstrafe von zweieinhalb Jahren, die die Richterin Kerstin Leitsch übernahm. Außerdem ordnete sie den "Wertersatz" von rund 7000 Euro an, die der Verurteilte den Betrogenen zurückzahlen muss. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.