Leserbrief zum Bericht "Weißenbrunn wird zum Kulturzentrum" in der FT-Ausgabe Haßberge vom 27.März:

Schlossbesitzerin Frau Praetorius beschreibt in ihrem Artikel vom 9. April 2021 im Mitteilungsblatt der VG Ebern die Ruhe und Idylle der Haßberge als etwas ganz Besonderes, und auf der Homepage von Schloss Weißenbrunn steht: "In den ,Heiligen Ländern' liegt das Schloss Weißenbrunn. So sagen die Einheimischen. Eine spärlich besiedelte, wunderbar einsame Gegend, mit sanft geschwungenen Hügeln, herrlichen Buchenwäldern und kaum Verkehr . Wo gibt es das noch?"

Wenn man in Weißenbrunn lebt und gerade diese Besonderheit als etwas einzigartig Lebenswertes schätzt, ist es völlig unverständlich, wie man diese Ruhe und Idylle gegen solch ein Großprojekt eintauschen kann. Auch wird es mit dem geringen Verkehrsaufkommen in dem 57 Einwohner zählenden Dorf bald vorbei sein.

Gute alte Zeit?

Frau Pia Praetorius, schwärmt auch, "dass Schlösser schon immer Orte der Kultur waren, in denen mit Musik das Leben gefeiert wurde und Gäste mit dem Besten aus Küche und Keller bewirtet wurden." Das klingt für mich so, als trauert man der guten alten Zeit nach, wo der Geldadel noch in Saus und Braus verschwenderische Feste feierte, während - und da redet man lieber nicht darüber - die Landbevölkerung mit Wasser und Brotsuppe auskommen musste.

Man könnte meinen, dass diese Zeit schon längst vorbei ist, doch kommt es einem so vor, als hätte sich da in der heutigen Zeit nicht viel geändert, nur mit dem Unterschied, dass der Geldadel von Großkapitalisten abgelöst wurde und die einfache Bevölkerung jetzt unbegrenzt Billigartikel konsumieren kann.

Kapital im Vordergrund

Bei diesem Großprojekt tut man so, als stünde die Kultur im Vordergrund, dann die Arbeitsplätze und zum Schluss das Kapital. Meiner Meinung nach steht hier das Kapital im Vordergrund, denn aus reiner Muße und Liebe zu seiner Heimat zerstört man sie nicht.

Ich würde diesem Projekt auch nicht den Namen Kulturrefugium geben, sondern treffender wäre Kapitalrefugium. Bürgermeister Hennemann schrieb: "Mit dem Projekt wird die Stadt Ebern um einen Anziehungspunkt für Kultur reicher und der Stadtteil Weißenbrunn aufgewertet."

Da könnte man als Weißenbrunner meinen, ohne dieses Großprojekt sind wir einfach weniger wert. Weißenbrunn hat(te?) eine ausgesprochen lebendige Dorfkultur. Die Dorfgemeinschaft ist - seit Ankündigung der Bauvorhaben der Schlossbesitzer - gespalten.

Robert Dumberger

Weißenbunn