Bei einem Arbeitsunfall am 12. November vergangenen Jahres ist ein damals 49-jähriger Müllwerker aus dem nördlichen Landkreis in Untertheres lebensgefährlich verletzt worden. Er geriet unter das rückwärts fahrende Müllauto und wurde 17 Meter mitgeschleift.

Der Fahrer der Müllautos erhielt wegen fahrlässiger Körperverletzung einen Strafbefehl über 60 Tagessätze zu 40 Euro, also 2400 Euro. Er legte Einspruch ein, weshalb der 56-Jährige aus dem Landkreis am Mittwoch zum ersten Mal in seinem Leben auf der Anklagebank des Amtsgerichts Haßfurt Platz nehmen musste.

Dort ließ er über seinen Anwalt Steffen Vogel verlauten, dass er den damaligen Unfall zutiefst bedauere. Wegen einer Baustelle habe er mit seinen beiden Arbeitskollegen vereinbart, dass er in der Brunnenstraße rückwärts hochfahre und die Mülltonnen dann im Vorwärtsfahren geleert würden. Der spätere Geschädigte habe genickt, so dass er annahm, er habe die Vereinbarung verstanden.

„Die Schreie nicht gehört“

Er habe daraufhin in beide Außenspiegel und in die Rückfahrkamera geschaut und sei in Schrittgeschwindigkeit losgefahren, da er hinter dem Fahrzeug niemanden gesehen habe. Die Fenster seien geschlossen gewesen, so dass er die anschließenden Schreie nicht gehört habe. Erst auf das Winken eines Anliegers hin, der Zeuge des Unfalls war, habe er angehalten.

Der Angeklagte selbst fügte hinzu, dass es die Anweisung an die Müllwerker gebe, sich einem fahrenden Fahrzeug nicht zu nähern.

Der Geschädigte sagte im Zeugenstand, er sei damals ausgerutscht, gestolpert und unter das Müllauto gerutscht. Von diesem Augenblick an wisse er nichts mehr.

Fünf- bis sechsmal sei er operiert worden. Zwei Fingerkuppen seien abgetrennt worden, die wieder hätten angenäht werden können. Ein Loch in der Lunge habe zugenäht werden müssen. Am Fuß sei ein Loch per Hautverpflanzung geschlossen worden. Seine Augen seien durch Blutergüsse so geschwollen gewesen, dass er eine Zeitlang nichts mehr habe sehen können. Seit vier Wochen habe er wieder angefangen, zu arbeiten. Vorwürfe mache er dem Angeklagten nicht. Er sei ein guter Freund.

17 Meter lange Blutspur

Laut dem ermittelnden Polizeibeamten fand man an der Unfallstelle eine 17 Meter lange Schleif- und Blutspur. Rund 70 Einsatzkräfte seien vor Ort gewesen. Eine Metallstrebe unterhalb des Fahrzeugs habe den Geschädigten 17 Meter lang mitgeschleift – und ihm wohl das Leben gerettet. Andernfalls wäre er wohl von der doppelt bereiften Mittelachse überrollt worden.

Ein Verkehrssachverständiger betonte, dass eine Rückfahrkamera den Fahrer nur unterstützen könne. Er dürfe sich jedoch nicht darauf verlassen. Laut einer Verkehrsvorschrift dürfe ein Lkw-Fahrer nur mit einem Einweiser rückwärts fahren, wenn die Straße nicht einsehbar ist.

Einspruch zurückgenommen

Dieses Argument war ein weiteres K.o.-Kriterium für den Vorsitzenden Richter Christoph Gillot. Der Angeklagte sei zum einen ohne Einweiser gefahren, zum anderen habe er sich nicht eindeutig mit seinen Kollegen abgesprochen. Dies sei ein Sorgfaltsverstoß und die Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro gehe vollkommen in Ordnung.

Der Richter empfahl dem Angeklagten , den Einspruch zurückzunehmen, was dieser nach kurzer Besprechung mit seinem Anwalt dann auch tat.