Hat eine 61-jährige Hausfrau aus dem nördlichen Landkreis im Juli 2017 insgesamt 130 000 Euro unterschlagen? Diese Frage beschäftigt seit Mittwoch das Amtsgericht Haßfurt . Angeklagt ist neben der Hausfrau ihr 37-jähriger Sohn , der das Geld in bar übergeben haben soll.

Laut Anklageschrift hat die Angeklagte am 21. Juli 2017 von ihrer Schwester 130 000 Euro in bar erhalten. Das Geld sollte sie bei sich aufbewahren, damit es nach ihrem Tod nicht in die falschen Hände gerät - vor allem nicht in die ihrer verhassten Stieftochter, mit der sie seit längerer Zeit im Clinch lag.

Stieftochter erstattete Anzeige

Anfang des Jahres 2018 wollte die Geldgeberin ihr Geld wieder zurückhaben. Doch dazu kam es nicht mehr, da sie im März 2018 starb. Die Schwester soll das anvertraute Geld laut Anklage nicht der Erbmasse zugeführt, sondern für sich behalten haben. Angezeigt wurde sie deswegen von der Stieftochter der Verstorbenen , die als Erbin Anspruch auf das Geld hat.

Vor Gericht machten die beiden Angeklagten keine Angaben, dafür aber die Stieftochter. Sie sagte im Zeugenstand, dass sie den Kontakt zu ihrer Stiefmutter im Juli 2017 verloren habe, nachdem das Verhältnis über längere Zeit schlecht gewesen sei. Nach dem Tod der Stiefmutter habe die Angeklagte deren Haus "geplündert" und alle Unterlagen sowie den Schmuck mitgenommen.

Ein Bekannter der toten Stiefmutter sagte vor Gericht, dass nach deren Tod der Schlüssel ihres Bankschließfaches plötzlich verschwunden gewesen sei. Die Angeklagte habe das Haus der Schwester leergeräumt. "Teilweise standen drei Transporter vor dem Haus", sagte der Zeuge .

Laut der Verstorbenen sollte die Schwester nur die Polstergarnitur und die Gefriertruhe erhalten. Laut des ermittelnden Polizeibeamten der Polizeistation Naila gab es bei der Übergabe der 130 000 Euro keinen Zeugen . Es sei auch unklar, ob es sich um eine Schenkung handelt oder ob das Geld zur Aufbewahrung übergeben wurde.

Verhandlung wird fortgesetzt

Die Vorsitzende Richterin Kerstin Leitsch schlug eine Einstellung des Verfahrens vor, da es viele Unklarheiten in dem Fall gebe. Der Staatsanwalt ließ sich darauf ein, forderte aber als Geldauflage eine Summe von 5000 Euro, die die Angeklagte zu zahlen habe. Dies lehnte die 61-Jährige ab. Ihr Verteidiger Hanns Christ warf ein, dass eine Geldübergabe nicht bewiesen sei. Da es keine Einigung gab, wurde die Verhandlung unterbrochen und wird am 17. Februar ab 13 Uhr fortgesetzt. Dann soll eine weitere Zeugin aussagen, die dafür extra von ihrem Wohnort Ribnitz-Damgarten an der Ostsee anreisen muss. msch