Weil er seinen Nebenbuhler im August vergangenen Jahres auf offener Straße verprügelt hat, muss sich ein 40-jähriger Familienvater aus einem Dorf in den Haßbergen seit Dienstag am Amtsgericht in Haßfurt verantworten. Das Opfer selbst war als Zeuge geladen, erschien aber nicht, weshalb die Verhandlung am Freitag fortgesetzt wird.

Laut Anklageschrift hat der Angeklagte den Nebenbuhler bereits am 13. Juni vergangenen Jahres per Whatsapp bedroht. "Ich brech dir jeden einzelnen Knochen im Körper, wenn du nicht die Finger von meiner Frau lässt", soll er ihm geschrieben haben.

Am 22. August ließ der Angeklagte den Worten Taten folgen. Als der Liebhaber gegen 23.30 Uhr abends vor seiner Haustür stand, um seine Frau - mit der er sich kurz zuvor gestritten hatte - abzuholen, brannten bei dem Angeklagten die Sicherungen durch. Er schubste ihn laut Anklage in ein Gebüsch, nahm ihn in den Schwitzkasten, drohte ihm, das Genick zu brechen, traktierte ihn mit Fäusten und zerriss sein T-Shirt. Erst als Rettungssanitäter eintrafen, die sich um die ebenfalls verletzte Ehefrau des Angeklagten kümmern wollten, ließ der Angeklagte von seinem Opfer ab.

Sein Opfer erlitt laut einem ärztlichen Attest eine Gehirnerschütterung, Prellungen am Kopf, und er hatte Beschwerden an der Halswirbelsäule.

Auf der Anklagebank räumte der Angeklagte , der fast zwei Stunden zu spät zur Verhandlung erschien, eine tätliche Auseinandersetzung ein. Er habe mit seiner Frau, mit der er zusammen mehrere Kinder hat, einen lustigen Abend mit reichlich Alkohol verbracht. Man habe getanzt und eine halbe Flasche Ouzo getrunken.

Die Stimmung sei dann jedoch gekippt. Im Streit habe er seine Frau geschubst. Sie sei mit dem Hinterkopf auf dem Wohnzimmertisch aufgeschlagen und habe sich eine blutende Platzwunde zugezogen.

Kurz darauf habe der Nebenbuhler vor der Tür gestanden und seine Frau abholen wollen, weil sie sich nach Aussage des Nebenbuhlers von ihm, ihrem Mann, trennen wolle. Es sei zum Streit und zur Schlägerei gekommen. Es sei kein Vorsatz gewesen. Er habe zur Tatzeit 1,2 Promille intus gehabt, erklärte der Angeklagte vor Gericht.

Konfliktreiche Beziehung

Eine Nachbarin sagte im Zeugenstand, dass es des Öfteren Streit zwischen dem Angeklagten und seiner Frau gegeben habe. Die Ehefrau selbst bestritt vor Gericht ein Verhältnis mit dem vermeintlichen Liebhaber. Er sei lediglich ein Freund, der sie abholen wollte, weil sie sich von ihrem Mann trennen wollte, beschrieb sie.

Ein Chat-Verlauf, der auf ihrem Handy gespeichert war, brachte ihre Aussage jedoch ins Wanken. Darin kommunizierte sie ausführlich mit ihrem Ne-benbuhler und beklagte die Übergriffe ihres Ehemanns , den sie schon mehrmals angezeigt habe. Der gab jedoch den Ahnungslosen. "Ich weiß nicht, ob ich ihn schlug. Vielleicht ein oder zwei Faustschläge", gab er zu Protokoll.

Das genügte dem Richter nicht als Geständnis. Der Geschädigte, der für sein Fernbleiben ein Ordnungsgeld zahlen muss, hat nun am morgigen Freitag die Gelegenheit, seine Aussage zu machen.