Von anderen sich etwas sagen oder gar sich belehren lassen – das lässt ein 33-jähriger Mann aus dem Maintal nur ungern zu. Seine Zündschnur ist äußerst kurz. Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Körperverletzung ist er bereits viermal zu Geldstrafen verurteilt worden.

Mit dem Tod bedroht

Am Montag kassierte er am Amtsgericht in Haßfurt seine erste Bewährungsstrafe . Weil er eine Mitarbeiterin der Lebenshilfe mit dem Tod bedrohte , hat ihn das Amtsgericht wegen Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Als Auflage muss er unter anderem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten und ein Anti-Gewalt-Training absolvieren.

Am 7. Dezember vergangenen Jahres besuchte die Sozialarbeiterin die unter Betreuung stehende Verlobte des Angeklagten in deren gemeinsamer Wohnung. Dabei äußerte die 37-jährige Verlobte den Wunsch, mit dem Angeklagten ein Kind zu bekommen. Da sie bereits zwei Kinder aus erster Ehe hat, die beide bei Pflegeeltern wohnen, sagte die Betreuerin, dass dieser erneute Kinderwunsch „vielleicht nicht ganz so gut“ sei.

„Dein letztes Stündchen“

Diese Aussage brachte den Angeklagten auf die Palme. „Wenn du dich da einmischst, hat dein letztes Stündchen geschlagen“, drohte der Arbeitslose der Mitarbeiterin der Lebenshilfe lautstark. Sie nahm die Drohung ernst und erstattete Anzeige bei der Polizei in Haßfurt .

Auf der Anklagebank nahm der Angeklagte keine Stellung zu dem Vorwurf. „Es ist bereits alles gesagt“, ließ er das Gericht wissen.

Die bedrohte Sozialarbeiterin sagte im Zeugenstand, sie habe Angst bekommen, als der Angeklagte ihr böse in die Augen schaute und im Tonfall aggressiv wurde. Der Angeklagte warf ein, dass die Zeugin ihn provoziert habe mit dem Satz: „Das Kind wird euch sowieso vom Jugendamt abgenommen. Wenn nicht, sorge ich dafür.“ Die zwei ersten Kinder seien seiner Verlobten deshalb abgenommen worden, weil ihr Ex-Mann ein Trinker und Schläger gewesen sei.

Die Verlobte selbst sagte im Zeugenstand, dass die Sozialarbeiterin sie nicht mehr betreue, weil sie Angst vor dem Angeklagten habe. „Sie zittert, wenn sie seinen Namen nur hört“, gab sie zu Protokoll.

Ein weiterer Vorfall

Auch eine weitere Sozialarbeiterin , die die Verlobte seit längerer Zeit betreut, hat der Angeklagte bereits bedroht . Als sie eine erneute Schwangerschaft als „schwierig“ bezeichnete, sei der Angeklagte wütend geworden und habe ihr gedroht, „andere Saiten aufzuziehen“.

Der Anklagevertreter forderte eine zweimonatige Bewährungsstrafe plus 900 Euro Geldauflage. Richter Christoph Gillot ging in seinem Urteil weit darüber hinaus. Die Frau von der Lebenshilfe habe nur helfen und ihre Argumente vortragen wollen. Der Angeklagte habe offensichtlich ein Problem damit, von anderen etwas gesagt zu bekommen. Er erkenne Autoritäten nicht an.

„Wenn jemand mich abstechen will, dann schlag ich zu“, unterbrach der Angeklagte die Urteilsbegründung. „Sie bestätigen mich. Sie können nicht zuhören und müssen gleich Ihren Senf dazugeben. Andere sind schuld, Sie nicht“, maßregelte ihn der Vorsitzende und fügte hinzu, dass es „düster“ aussehe, falls sich der Verurteilte nicht an die Bewährungsauflagen hält.