von unserem Redaktionsmitglied 
Andreas Lösch

Kreis Haßberge — Dass die Lage ernst ist, machte Landrat Wilhelm Schneider (CSU) bei der Kreistagssitzung in seiner Haushaltsrede deutlich. Er sprach von der Suche nach einem "Weg aus der Krise" und dass "Gefahren für den Kreishaushalt drohen können". Das Thema, um das es ging: Die Haßberg-Kliniken mit den Häusern in Haßfurt, Ebern und Hofheim. Das Kommunalunternehmen schreibt seit drei Jahren negative Zahlen.
"Auch in diesem Jahr werden wir mit Sicherheit Miese machen", sagt Klinikchef Stephan Kolck auf Anfrage. Er betont aber, dass er zuversichtlich sei, die Krise zu bewältigen.

Krankenhausreform ab 2016

Alleine in der Hand der Verantwortlichen vor Ort liegt das aber nicht. Derzeit wird auf Bundesebene an einer Reform gearbeitet, die kleine Kliniken im ländlichen Raum entlasten soll. Sabine Dittmar, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Bad Kissingen und zuständig für den Kreis Haßberge, ist daran beteiligt. Die 50-Jährige ist als Ärztin mit der Thematik vertraut. Im Gespräch mit dem Fränkischen Tag erklärte sie, dass die Eckpunkte stehen und das Papier zum Jahresbeginn 2016 in Kraft treten soll.
Bedingt zufrieden nur sei sie mit den Ergebnissen, für sie ein "Kompromiss", da man mit dem Koalitionspartner CDU/CSU einig werden musste und die Vorstellungen weit auseinandergingen. Immerhin: Strukturell benachteiligten Krankenhäusern auf dem Land soll es leichter gemacht werden, "Sicherstellungszuschläge" zu erhalten.
Zudem soll es ein Pflegeförderprogramm für Krankenpflege am Bett (stationär) geben. Wichtig laut Dittmar: "Das Geld muss an den richtigen Stellen ankommen." Die Reform kostet natürlich Geld. "Es wird sicher teurer für die Krankenkassen." Freilich ist es möglich, dass die die Steigerung mit Zusatzbeiträgen ausgleichen. Dittmar erklärt, dass sie regelmäßig mit Stephan Kolck in Kontakt sei und um die Situation der Haßberg-Kliniken wisse. "Managementfehler vor Ort kann ich nicht erkennen", sagt sie. Obwohl die hohen Personalkosten mit ein Grund für das Defizit sind, würde sie hier nicht den Rotstift ansetzen, denn: Für gute Qualität brauche es gutes, qualifiziertes Personal. Als Beispiel nennt Dittmar die neue Abteilung Akutgeriatrie, in der ältere Menschen professionell und schnell bei akuten Beschwerden behandelt werden können. Für diese Einrichtung benötigt es laut Dittmar eine "sehr hohe Fachkraftquote". Und das müsse bezahlt werden.

Kein Personalabbau

Für Kolck steht das Personal nicht zur Debatte, auch wenn für Löhne etwa Dreiviertel des Jahresumsatzes 2014 von 30 Millionen Euro aufgewendet werden müssen. "Stellen abbauen kann man nur, wenn man dieselbe Leistung auch mit weniger Leuten bringen könnte." Das jedoch wäre an den Haßberg-Kliniken nicht möglich. Und: Bei tarifbedingten Kostensteigerungen beim Personal kann das Krankenhaus nicht mit Preiserhöhungen reagieren, weil es nicht selbst die Preise festlegen kann. Krankenhäuser rechnen ihre Leistungen über die Krankenkassen ab. Hier ist der Landesbasisfallwert die Berechnungsgrundlage. Es handelt sich um einen für jedes Bundesland separat festgelegten Betrag, der abhängig vom Aufwand des Eingriffes oder der Behandlung mit einer variablen Punktzahl multipliziert wird. In diesem System soll künftig der "Orientierungswert" sachgerechter ermittelt und die tatsächliche Kostenentwicklung im Krankenhaus besser abgebildet werden. Kolck vermisst allerdings eine Öffnungsklausel, die sicherstellt, dass Tarifsteigerungen vollständig finanziert werden können.
Die fast zwei Millionen Euro Defizit aus 2014 setzen sich laut Kolck in etwa zu einem Viertel aus Tarif-Mehrkosten zusammen, der Personalkostenstruktur insgesamt sowie den Folgen aufwändiger Umbauten (so musste etwa die neu gebaute Intensivstation für ein Jahr ausgelagert werden; durch geringere Belegungsmöglichkeiten dort fielen Einnahmen weg.) Weiterer Punkt: die neue Akutgeriatrie hat am 1. Mai 2014 geöffnet, aber bereits vorher musste Personal geschult werden, und auch der Chefarzt war bereits in der Aufbauphase an Bord. Das waren Anlaufkosten, die sich gelohnt haben, betont Kolck: "Das war zum Glück erfolgreich, die Abteilung läuft gut", sagt er.
Dass kleine Kliniken im ländlichen Raum in finanzielle Nöte geraten, gibt es häufiger. Besonders, weil kommunale Krankenhäuser gerade nicht den (Gewinn-)Zwängen einer privaten Klinik unterliegen. So leistet sich der Landkreis als Träger drei Standorte. Würde man zentral ein Krankenhaus betreiben, erklärt Kolck, wäre das organisatorisch leichter, es gäbe Sparpotenziale. Aber Kolck ist froh, dass das politisch nicht gewollt ist, denn: Im großflächigen Kreis Haßberge soll wohnortnahe medizinische Versorgung gewährleistet sein. Dazu sei neben Haßfurt ein Standort in Ebern wie auch in Hofheim wichtig.

Teurer aber humaner

In privater Hand gäbe es gewisse Leistungen wohl nicht. Laut Kolck etwa eine Palliativabteilung wie in Ebern. Hier werden Sterbende begleitet. Betriebswirtschaftlich ein Kostenfaktor; Kolck: "Damit ist kein Gewinn zu machen." Aber es sei ein wichtiges Signal, wie man mit Sterbenden umgeht.
"Das ist für das Selbstverständnis der im Krankenhaus Arbeitenden ungemein wichtig." Eine Privatklinik muss so etwas nicht leisten, "weil es nicht ihr Anspruch ist".