Es ist kaum zu glauben: Mit seinen 90 Jahren ist das Höchstadter Urgestein Hans Wichert an den Vormittagen unter der Woche bei fleißiger Schuhmacherarbeit in seiner Werkstatt zu finden. Die Nachmittage beansprucht er für sich, denn schließlich gibt es in Haus und Hof auch noch genügend zu tun. Da wartet der Garten und es muss Holz für die Heizung gemacht werden. Und wenn man ihn fragt, wie es geht, dann kommt die Antwort ohne zu zögern: "Gut!"

Die Frage danach, wie es denn gelingt, so alt zu werden, ist damit überflüssig - das ganze Leben fleißig arbeiten, dazu noch ein wenig ehrenamtliches Engagement, Sport, solange es geht, und das Beisammensein mit Freunden und Bekannten. Schließlich ruft ja auch der regelmäßige Schafkopf vom Kellerberg her. Und ein Billardspielchen in der Wirtschaft war auch nicht zu verachten.

Hans Wichert wurde in dem Haus geboren, in dem er heute noch lebt und seine Werkstatt hat. Dort lebten und arbeiteten auch schon sein Vater und der Großvater. Wichert ist eines von drei Geschwistern, die alle noch am Leben sind. Seine beiden Schwestern sind heute 85 bzw. 83 Jahre alt.

Geschäft bis 1991 geführt

Der Jubilar hatte in Höchstadt die Grundschule besucht und danach in Höchstadt bei Schuhmacher Georg Kellermann in der Nähe des Markplatzes, dort wo heute "Helgas Schuhladen" ist, den Beruf des Vaters erlernt. Als der Vater 1947 erkrankte und im selben Jahr starb, musste Hans an dessen Stelle treten.

Die Werkstatt befand sich damals schon im Wohnhaus in der Kleinen Bauerngasse. Dort wurde dann 1948 umgebaut und später sogar ein Schuhgeschäft im Haus eröffnet. Dazu wurde die Werkstatt in die Garage verlegt. Dort kann man Hans Wichert noch heute finden, wenn er an seinem Dreifuß sitzt oder an der Maschine arbeitet. Das Schuhgeschäft im Hause wurde erst 1991 aufgegeben.

1961 heiratete Hans seine Gisela. Sie schenkte ihnen drei Kinder, zwei Buben und ein Mädchen. Vervollständigt wird die Familie heute durch sechs Enkelkinder.

Seit 70 Jahren gehört Hans Wichert dem TSV Höchstadt an. In seiner aktiven Zeit spielte er leidenschaftlich Fußball in der legendären "Blauen Elf" des TSV. Verständlich, dass er als Schuhmacher die Fußballschuhe der Aktiven in seine persönliche Obhut nahm und allezeit für perfekte Stollen sorgte. Er wurde im TSV der Zeugwart und kümmerte sich somit auch um Reparaturen der Lederfußbälle. Heute ist er Ehrenmitglied des TSV und auch der Freiwilligen Feuerwehr Höchstadts. Dort war er bis zu seinem 60. Lebensjahr im aktiven Feuerwehrdienst. Er war Gruppenführer und Zweiter Vorsitzender. Die Trennung von Kommando und Verein gab es damals noch nicht.

In der katholischen Pfarrgemeinde hatte er ebenfalls ehrenamtliche Funktionen, im Pfarrgemeinderat und im Kirchenrat. Dekan Kilian Kemmer würdigte die Gottverbundenheit des Jubilars in seiner Gratulation. Auch der Zweite Bürgermeister Günter Schulz (SPD) und stellvertretende Landrätin Gabriele Klaußner (CSU), Familienmitglieder, Freunde und Bekannte waren gekommen, um dem Jubilar zum 90. Geburtstag ihre Glückwünsche zu überbringen.