Es ist ein ganz besonderer Geburtstag für Hannelore Ponsel. Heute wird sie 90 Jahre alt. Und dass sie dann auch noch besonders lieben Besuch hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn ihre Tochter Heike ist um den halben Globus geflogen, um heute bei ihrer Mutter sein zu können.

Heike lebt seit geraumer Zeit in Argentinien. Und eigentlich sollte aus dem 90. Geburtstag ein unvergessliches Familienfest werden. Heike: "Immerhin hatten wir vor einem Jahr mit der Planung begonnen. Da war Corona hier noch kein Thema. Aber nun mussten wir alle Feierlichkeiten streichen."

Da war es ein Glücksfall, dass es mit der Reise wenigstens geklappt hat, sagt die Tochter. "Bis zuletzt war es nicht klar, ob wir kommen könnten oder nicht. So bin ich gerade durch die sich Ende Oktober in Argentinien öffnenden und Anfang November in Deutschland schließenden Türen hierher gekommen."

Probleme und Herausforderungen bewältigen - auch im langen Leben von Hannelore Ponsel war das immer wieder die Aufgabe, der sie sich stellen musste. Am 28. Dezember 1930 wurde sie in Thüringen geboren. Ihr kleiner Bruder Dieter starb im Alter von zwei Jahren bei einem tragischen Unglücksfall. Hannelore wuchs mit ihren weiteren Geschwistern Rosemarie, Christel und Jochen auf. Aber die Kindheit dauerte nicht lange ...

Als der Krieg endete, musste sie Verantwortung übernehmen. Der Vater war in US-Gefangenschaft, also musste sie die Familie durchbringen - und auf ihren Traum von Schule und Studium verzichten. Heike: "Sie musste zur Familienversorgung in einer Puppenfabrik arbeiten." Und auch, nachdem Hannelores Mutter mit den Kindern 1948 in den Westen geflüchtet war, bestimmte Arbeit das Leben der heute 90-Jährigen.

Die Waldhütte eines Onkels war der erste Unterschlupf. "So wurschtelten sie sich durch, aber sie waren am Leben", berichtet Heike Neumann aus Mutters Erzählungen. Die junge Hannelore fand eine Arbeit bei Bauern, in einer Lampenfabrik, war Dienstmädchen in einem Doktorhaushalt. Der Vater kam aus der Gefangenschaft, schlug sich mit Holzhacken und Heimarbeit durch, starb jedoch bald.

Ihren Ehemann Rolf aus Unterlauter lernte Hannelore beim Schützenfest kennen, 1956 heirateten sie. Beruflich verschlug es die Familie nach Düsseldorf und Ingolstadt. 1994 zogen die Ponsels zurück nach Lautertal. 2014, nach dem Tod von Rolf, zog auch Hannelores Schwester Rosemarie dorthin - und jetzt sind die Schwestern täglich gemeinsam unterwegs und halten sich zum Beispiel mit Wandern fit.

Und dass Tochter Heike in Südamerika lebt, auch diese Herausforderung hat Hannelore schon mehrfach gemeistert. Bereits 14 Mal war sie dort - obwohl sie Flugangst hat! Heike: "Sie hat einfach vorher ein Seminar dagegen bei der Lufthansa gemacht." mvn