von unserer Mitarbeiterin heike schülein

Kronach — "Menschen zu helfen - meine Lebensaufgabe - Beruf fürs Leben", "Schwester zu sein ist - die Erfüllung anderen - im Leid zu helfen", "Die Krankenschwester - sie pflegt und betreut Kranke - ein schöner Beruf". Geschaffen wurden diese einfühlsamen Zeilen vom 52. Kurs an der Berufsfachschule für Krankenpflege Kronach mit der Klassenleiterin Judith Göhlich.
In jeweils 17 Silben spiegeln die persönlichen Kurzgedichte Hoffnungen und Wünsche sowie Sorgen und Ängste der Schülerinnen wider. Die angehenden Gesundheits- und Krankenpflegerinnen haben melancholische, aber auch fröhliche Gedanken zu ihrem oft harten Berufsalltag zu Papier gebracht und damit am Donnerstag einen toten Baum "neu erblühen" lassen. Von Ingo Cesaro auf grünem Papier einlaminiert, reflektieren sie die Sonne.
Es sind sorgsam geschriebene Texte, mit denen die 18 Schülerinnen ihre Gefühle nach außen tragen - wie "Wenn es auch regnet - die Sonne scheint immer - über den Wolken", "Die Hoffnung ist weg - totgeschlagene Träume - das Leben ist leer" oder "Die Erinnerung - manchmal alles was noch bleibt - vergiss sie niemals". Solche "Poesiebäume" sind ein Teil des mehrere Schichten umfassenden Projekts "Mit Literatur über den Berg", in dem es um kreatives Schreiben geht. Wie schon in den vergangenen Jahren hatten die jungen Leute, die sich im ersten Jahr ihrer Ausbildung befinden, an der Berufsfachschule unter Cesaros Anleitung Haiku geschrieben. Diese werden als Plakatgedichte der Öffentlichkeit vorgestellt - so im Landratsamt, im BRK-Seniorenhaus und vor der Helios-Frankenwaldklinik in Kronach.

Ohne Zeit- und Notendruck

"Mir ist es wichtig, dass die Ergebnisse den Schulraum verlassen", betont Cesaro. Wie er berichtete, habe es auch heuer wieder einige skeptische Gesichter der Schülerinnen gegeben. Diese hätten gemeint, dass das Schreiben von Haiku schwer sei. Dabei handele es sich jedoch um eine einfache Schreibarbeit. Bald allerdings hätten sie es beim Schreiben regelrecht genossen, einmal ohne Zeit- und Notendruck ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. "Mit Haiku kann man sich frei schreiben von Problemen, die einen bedrücken. Das ist wie eine hilfreiche Therapie", zeigte er sich sicher. Dies sei gerade in ihrem Beruf wichtig.
Der Pressesprecher der Helios-Frankenwaldklinik Kronach, Stephan Zeidler, freute sich über die für eine Klinik eher ungewöhnliche Aktion. "Der Haiku-Baum ist sehr schön geworden. Die Gedichte berühren, sie sind emotional", sagte er. "Ein wichtiges Lernziel in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Berufe in der Krankenpflege lautet: berufliches Selbstverständnis entwickeln und lernen, berufliche Anforderungen zu bewältigen.
Ich finde es gut, dass im Rahmen der Literaturwerkstatt unsere Schüler einmal kreativ dieses Lernziel erreichen können", so der Leiter der Krankenpflegeschule, Mathias Lau.