Eine sechsjährige Haftstrafe antreten muss der 37-jährige russischstämmige Hausmeister, der sich seit Januar wegen Rauschgifthandels am Landgericht Coburg verantworten musste. Die Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Christoph Gillot lag mit ihrem Urteil am Mittwoch nur knapp unter dem Antrag des Staatsanwalts.
Staatsanwalt Michael Koch hatte eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren beantragt. Er wies auf den Rauschgifthandel in großen Mengen in 25 Fällen hin. Mit Blick darauf sowie auf das beharrliche Schweigen des 37-Jährigen während des gesamten Prozesses, betonte er: "Es spricht nichts für den Angeklagten."


Speed, Marihuana, Heroin

Zeugenaussagen hätten bestätigt, dass der 37-Jährige Crystal Speed, Marihuana und Heroin an Abnehmer in Küps im Landkreis Kronach und in Lichtenfels geliefert habe. Anhand seines Fahrzeugs sei er erkannt worden.
Für die Fahrten gebe es nur eine plausible Erklärung: "Der Angeklagte fuhr von seinem Wohnort in der Oberpfalz in unsere Region, um hier Rauschgiftgeschäfte durchzuführen."
Eine Antwort auf die Frage, wer hinter dem Spitznamen "Medved" stecke, hat der Prozess nach Auffassung des Staatsanwalts ebenfalls geliefert. Es sei niemand anderes als der Angeklagte, der unter diesem Namen in der Drogenszene bekannt gewesen sei.
"Die Schilderungen der Drogengeschäfte durch Zeugen sind schlüssig und glaubhaft", so Koch. So habe der Angeklagte etwa Crystal Speed alle zwei Wochen in einem Versteck, in der Szene "Bunker" genannt, hinterlegt. Sein Abnehmer tauschte die Ware im Versteck - es handelte sich um ein Abflussrohr in der Nähe einer Spielhalle in Lichtenfels - dann gegen Geld.


Verteidiger nicht überzeugt

Die Kammer habe seinen Mandanten keineswegs überführt, meinte hingegen Verteidiger Gert Lowack. Zu unterschiedlich seien die Zeugenaussagen hinsichtlich der Tatorte oder des Tatfahrzeugs gewesen. Zudem habe sein Mandant nie über größere finanzielle Mittel verfügt, was zeige, dass er keineswegs ein so großer Fisch in der Drogenszene gewesen sei.
Nicht zuletzt sei der Spitzname "Medved" nicht eindeutig dem Angeklagten zuzuordnen. "Medved ist russisch für Bär, könnte daher bildhaft für Russland oder eine russische Gruppierung im Drogenmilieu stehen", mutmaßte der Verteidiger. Wegen der aus seiner Sicht dürftigen Beweislage plädierte Lowack auf Freispruch.
Diese Auffassung teilte die Kammer nicht. Allerdings kam sie, im Gegensatz zur Anklage, nur auf 13 belegte Fälle des "Handels mit Betäubungsmitteln".
Auch mit Blick auf die Vorstrafen verhängte das Gericht die sechsjährige Freiheitsstrafe. Richter Gillot hob zudem die großen Mengen unterschiedlichen Rauschgifts bis hin zu Heroin hervor, die der 37-Jährige in die Region "importiert" habe.