von unserem Mitarbeiter Christoph Winter

Coburg — Vom Veste-Parkplatz am Kiosk fällt der Beerhügel-Weg steil in Richtung Cortendorf ab. Nach wenigen Schritten zweigt ein Pfad links ab und führt am Gustav-Freytag-Brunnen vorbei in die Stadt. Spaziergänger und Mountainbiker sind dort unterwegs, und auch Karl Westhäuser. Der frühere Vorsitzende des Bürgervereins Cortendorf interessiert sich noch immer für seine Umgebung. Deshalb hat er beim Grünflächenamt der Stadt sowie beim Forst- und Domänenamt darauf gedrängt, dass die vielen Riesenbärenklau-Pflanzen auf einer Lichtung beseitigt werden.
Die Waldlichtung unterhalb der Veste führt ein verstecktes Dasein. Auf der Hangseite des schmalen Weges ist die Brunnenstube des Gustav-Freytag-Brunnens zu sehen, talwärts wurde der Auslauf mit Steinen gefasst. Durch einem schmalen Streifen lichten Unterholzes gelangt man auf die Lichtung. Auf Teilen des gut 1000 Quadratmeter großen Areals ist der Riesenbärenklau abgeschnitten worden. Die großen Blätter und haarigen Stängel liegen welk am Boden. Das Gros der Pflanzen allerdings ist mittlerweile mehr als mannshoch gewachsen.
Anfang Juli schickte Karl Westhäuser eine E-Mail an das Coburger Grünflächenamt und berichtete über das große Vorkommen des damals blühenden Riesenbärenklaus. Leider habe sich nur wenig getan, sagt er dem Coburger Tageblatt. Immerhin: Etwa ein Dutzend der Pflanzen direkt am Wegesrand sei Anfang August abgeschnitten worden.


Ausgraben und abbrennen

Bernd Lauterbach, Revierleiter beim Forstbetrieb Coburg, hatte den Auftrag gegeben, die Pflanzen am Brunnen zu bekämpfen. "Eigentlich müsste der Bärenklau bereits entfernt sein", mailte er jetzt Karl Westhäuser zurück. Aber der Freischneider gab seinen Geist auf.
Der Revierleiter weiter: "Im vergangenen Jahr haben wir versucht, die Pflanzen auszugraben. Der Erfolg war mäßig, wie man sieht." Versucht wurde vom Forstbetrieb, die Blüten abzuschneiden, die Pflanzen abzubrennen, "aber wir werden dem nicht Herr", gibt sich Bernd Lauterbach keiner Illusion hin. Nur wenn die Lichtung wieder mit Bäumen bewachsen sei, verringere sich wegen des geringeren Lichteinfalls der Bestand.
Die Dolden einer einzigen Pflanze können bis zu 80 000 Einzelblüten enthalten und bis zu 15 000 Früchte mit jeweils zwei Samen ausbilden. Der Riesenbärenklau, der ursprünglich aus dem Kaukasus stammt, ist eine Pflanze mit ausgeprägter Ausbreitungsfähigkeit. Die Samen bleiben zudem über mehrere Jahre hinweg keimfähig. Die Pflanze hat sich zu einer Plage entwickelt. "Der Riesenbärenklau wird sich weiter verbreiten, wenn nichts getan wird", ist Westhäuser überzeugt.
Im vergangenen Sommer wurde bei Horb an der Steinach ein großes Vorkommen der Pflanze beseitigt. Ebenso war in der Vergangenheit das Ufer der Steinach nahe Fürth am Berg schon von der Pflanze befreit worden. Auf öffentlichen Grünflächen in der Stadt wird nach den Worten von Werner Pilz vom Grünflächenamt der Riesenbärenklau nicht geduldet. "Wenn die Pflanze aber zur Zierde in einem Garten steht, können wir nur auf die Gefahren hinweisen."