Kronach — Wenn sich im Kronacher Festkalender der Schmäuß-Tag ankündigt, dann wissen die Aktiven des Historischen Kronachs, dass die Reifezeit eines besonderen Bieres in der Brauerei Kaiserhof zu Ende geht: Schmäuß.
Dann kann Braumeister Thomas Kaiser zur Verkostung in seinen Brauereihof einladen. Dem folgen die Historischen allzu gerne - dürfen sie dann doch unter der Aufsicht der Viertelmeister das Meisterwerk des "kaiserlichen" Braumeisters verkosten.
So wie in hochstiftlichen Zeiten nur zu besonderen festlichen Angelegenheiten ein "schmäußiges Bier" von den Bewohnern der Oberen Stadt in den städtischen Brauhäusern angesetzt werden durfte, so wird dies heute von der einzigen Privatbrauerei Kronachs zum Historischen Stadtfest getan.
Bierbrauen hat in Kronach lange Tradition. Bereits im 14. Jahrhundert erlaubt Bischof Albrecht von Wertheim der Stadt Kronach, von Bier und Wein Umgeld zu verlangen: "... ez sey wein oder Bir ...den man da schenket, und dasselbe gelt, daz also gevellet ie von ungelt, sullen sie legen an den paw unser obegenanten Stat Kranach ..."
Bierbrauen begründete sich in dieser Zeit überwiegend auf ein landesherrlich verliehenes Privileg und war grundsätzlich auf die Städte beschränkt. In "Kranach" besaßen dieses Recht nur die Bewohner der Oberen Stadt. Von der Landbevölkerung, die ihr Bier mühevoll in Kronach holen mussten, wurde dieses Privileg eher als Bierzwang empfunden. Zahlreiche Händel und Zwistigkeiten wegen unerlaubten Ausschanks sind mit den umliegenden Dörfern und Gemeinden in den Archiven dokumentiert.
Unstimmigkeiten wird es bei der Bierverkostung am Donnerstag um 19 Uhr nur geben, wenn den Viertelmeistern, deren privilegierte Aufgabe es ist, die Qualität des Bieres zu prüfen, selbiges nicht bekömmlich erscheinen sollte.
Und am Donnerstag steht nicht nur ein Bier, sondern auch ein Tier im Mittelpunkt. Der Legende von der "Kroniche Housnkuh" ist es nach Meinung von Stadtvogt Hans Götz geschuldet, dass dem Langohr, das zur Rettung der Stadt Kronach im Dreißigjährigen Krieg beigetragen haben soll, eine entsprechende Ehrung zu den kommenden historischen Tagen zuteil wird. Daher wird wie schon vor zwei Jahren eine lebende Housnkuh am Kronacher Rathaus am Schmäußtag in einen gestifteten Housnkuhstall einziehen und dort bis zum Historischen Stadtfest bleiben. Die Besucher der Stadt Kronach können dann eine Original-Housnkuh bewundern. Die Familie Nentwich aus Mitwitz, die die Häsin betreut, nennt eine Rasse ihr Eigen, die der der Barock-Housnskuh am nächsten kommt.
Die feierliche Einsetzung in den städtischen Housnkuhstall erfolgt am Donnerstag um 18 Uhr mit einer Housnkuh-Serenade der Kronacher Jagdhornbläser und der kostenlosen Ausgabe von Jungbrunnenwasser durch das Tourismusbüro.