"Baudenkmäler halten Ortsgeschichte lebendig." Diese Worte von Landrat Christian Meißner zum Tag des offenen Denkmals im Festsaal des Bezirksklinikums Obermain lassen sich im Falle von Kutzenberg nur doppelt unterstreichen.

Die historische Verantwortung für die Bausubstanz im Zuge der Neubauplanungen wurde betont, und angesichts der vielen Nutzungsmöglichkeiten des lange Zeit brachliegenden Gutshofs nahe des Klinikgeländes sprüht ein Theaterintendant geradezu vor Tatendrang.

Vor rund 100 Zuhörern im Festsaal sagte Meißner: "Dieser Tag dient dazu, die Menschen auf die Bedeutung des kulturellen Erbes aufmerksam zu machen und Interesse zu wecken für die Belange der Denkmale. "

In seiner Festrede gab Bezirksheimatpfleger Günter Dippold einen Überblick über die historische Entwicklung in Kutzenberg. Das Grundkonzept für die "Heil- und Pflegeanstalt" entwarf seinerzeit Kreisbaurat Jakob Spieß, mit der Ausführung im Pavillonstil wurden schließlich die Architekten Albert Haug und Gottfried Frey betraut. Im Frühjahr 1904 fand der erste Spatenstich statt, im Folgejahr kamen die ersten Ärzte, Pfleger und Patienten nach Kutzenberg. Nach und nach wuchs in Kutzenberg eine selbstständige Siedlung aus dem Boden. So waren hier Schreiner, Sattler, Maurer, Schuster und andere Berufsstände vertreten. Im Obergeschoss des heutigen Festsaalgebäudes angesiedelt war eine eigene Schule. Dippold verschwieg auch die düsteren Zeiten des Dritten Reiches nicht, als Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten in Franken deportiert wurden und ihr Leben lassen mussten.

Bis zun 600 TBC-Patienten

1946 wurde Kutzenberg zum Tuberkulose-Krankenhaus, in den frühen 1950er Jahren wurden an die 600 TBC-Patienten behandelt. Angesichts der derzeitigen tiefgreifenden Veränderungen in Kutzenberg verlieh der Bezirksheimatpfleger seiner Hoffnung Ausdruck, "dass über allen Notwendigkeiten der besondere Charme dieses Ortes bewahrt bleibt".

Beschwingt und gut gelaunt agierte der 64 Jahre junge Intendant des Fränkischen Theatersommers, Jan Burdinski. Zunächst umrahmte er unterhaltsam den Festakt im Festsaal mit humorvollen Darbietungen, etwa einem Rap unter Verwendung eines Textes von Otto Reutter, der seinerzeit schon vor 100 Jahren die Mühlen der Bürokratie augenzwinkernd thematisierte.

Nach der Eröffnungsveranstaltung im Festsaal lohnte sich dann der kleine Spaziergang zum wenig entfernten Gutshof, der nun in den Mittelpunkt der Veranstaltung rückte. Der Gutshof diente einst der Versorgung des Bezirksklinikums. Dann lag das Areal eine Zeit lang brach - und "erwacht nun aus seinem Dornröschenschlaf", wie es Bezirksheimatpfleger Dippold in seiner Festrede formuliert hatte. Bei seiner Führung durch das rund 11 000 Quadratmeter große Grundstück mit den erhaltenen Immobilien vom Pferdestall bis zum Getreidelager quoll Intendant Burdinski förmlich über vor (Vor-)freude, als er umgesetzte und angedachte Pläne vorstellte.

Er schwärmte von der Atmosphäre des geschaffenen Freilichtspielorts "Gartentheater" im Schatten von Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzten Mammutbäumen, und dort wo einst ein Ochsenstall stand, ist eine Aufführung des bekannten Stücks vom "Brandner Kaspar" geplant. Das "Gartentheater" wird bereits als Aufführungsort genutzt, so etwa am kommenden Sonntag mit "Jazzballaden".

Und die Teilnehmer der Führung ließen es sich natürlich nicht zweimal sagen, als Burdinski die Türen und Tore der Gebäude aufschloss und sie einlud, einen Blick hineinzuwerfen. Es gibt bereits einen kleinen Probenraum, aber auch die übrigen Immobilien werden Zug um Zug Verwendung finden für Proben, Aufführungen, Bühnenbauen, Theaterwerkstatt, als Verwaltungsraum des Fränkischen Theatersommers und anderes mehr. Bei allem Blick in die Zukunft wird die Geschichte des Gutshofs natürlich nicht ausgeblendet.

Im Vorjahr hatte der Bezirk der Landesbühne Oberfranken den Gutshof geschenkt.