Ihre Spuck-Attacken und Beschimpfungen waren Tagesgespräch in Lichtenfels. Mittlerweile muss sich die 47-jährige Frau am Landgericht Coburg verantworten. Dort attestierte ihr am Mittwoch der Sachverständige Dr. Christoph Mattern "drei große psychiatrische Probleme".


Geistige Alkoholabhängigkeit

Ein Zeuge hatte gegenüber der Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Christoph Gillot über die Angeklagte gesagt: "Ohne Alkohol ist sie eine ganz patente Person." Dies, so Mattern, treffe auf die 47-Jährige jedoch nicht zu, wenn sie getrunken hat. Der Psychiater geht von einer Sucht aus. Sein Fazit: "Sie wird ihren Alkoholkonsum ohne Therapie nicht unter Kontrolle haben."
Nach Auffassung des Sachverständigen leidet die Angeklagte zudem unter einer bipolaren Störung. Manische Phasen wechselten sich mit depressiver Stimmung ab.
Eine ganze Reihe Belastungszeugen hatte ausgesagt, dass die 47-Jährige sie angespuckt und mit derben Worten beleidigt habe. Nach Matterns Worten ist das typisch für eine manische Phase, wo der Betroffene einen "gewissen Größenwahn" entwickle.
Problematisch sei, dass die Angeklagte offenbar nicht fähig sei, sich in normalen Momenten ihres Handelns zu besinnen. Das liege an ihrem dritten Problem, einer organisch bedingten Wesensänderung infolge eines chronischen Alkoholmissbrauchs, so Mattern. Die Folge sei "eine ausgeprägte Beeinträchtigung des sozialen Urteilsvermögens".


Stationäre Therapie empfohlen

Würde die 47-Jährige nicht behandelt, verfiele sie höchstwahrscheinlich wieder in ihre Verhaltensmuster, die sie vor Gericht brachten. Sinnvoll sei daher die Unterbringung in einer Therapieeinrichtung. Allerdings zeige die 47-Jährige bislang keine Bereitschaft, sich behandeln zu lassen.
Die Angeklagte selbst äußerte sich abfällig über die Aussicht, in einem Heim zu landen. "Sie haben die Einschätzung des Sachverständigen gerade eindrucksvoll bestätigt", kommentierte dies Richter Gillot.


Immer mehr Zeugen

Beim jüngsten Verhandlungstag verlängerte sich die Liste der Belastungszeugen weiter. Schon einmal hatte ein Mann berichtet, dass ihm die Angeklagte einen gehörigen Schreck eingejagt habe, als sie unerwartet vor sein Auto gesprungen sei.
Von einer ähnlichen Begegnung erzählte jetzt ein 36-Jähriger. Die Frau sei an Heiligabend 2015 plötzlich "wild gestikulierend" vor seinem Auto gestanden. "Sie wollte, dass ich sie zu einem Lebensmittelmarkt fahre." Als der völlig überraschte Fahrer dies ablehnte, soll die Angeklagte regelrecht explodiert sein. Sie habe dem Zeugen Schläge angedroht, ihn bespuckt und wüst beschimpft. Mehrfach habe sie gegen die Tür des Wagens getreten.
In drei Fällen hat eine 42-jährige Lichtenfelserin Anzeige gegen die Angeklagte erstattet. Die Frau habe die Zeugin mehrfach belästigt, ihre fünfjährige Tochter sei Opfer einer Spuck-Attacke geworden. "Meine Tochter hatte Angst, im Freien zu spielen, weil sie fürchtete, dass die böse Frau kommt", so die 42-Jährige.


Nicht mehr zur Arbeit erschienen

Ein anderes Bild von der Angeklagten zeichnete ein Lichtenfelser Restaurant-Betreiber. Die Frau habe als Teilzeitkraft in seiner Küche gearbeitet. Ärger habe es nie gegeben. Allerdings sei dabei auch kein Alkohol im Spiel gewesen. Wie der Zeuge erklärte, sei die 47-Jährige aber nur etwa einen Monat bei ihm tätig gewesen. Sie sei einfach nicht mehr zur Arbeit erschienen.
Weitere Verhandlungstermine hat das Coburger Landgericht am Mittwoch, 28. Dezember, 13 Uhr und Montag, 2. Januar, 13 Uhr , angesetzt.