Haßfurt — "Heute sind wir hier und gehn wieder einen Schritt voran. Schaut her ihr lieben Leut´, den Grundstein leg mer heut - des is für uns a große Freud." - Nach der bekannten Melodie von "Tief im Steigerwald" feierten zukünftige Bewohner zusammen mit geladenen Gästen drei Monate nach dem Spatenstich für das neue "Wohnheim 50plus" der Lebenshilfe Haßberge mit einem Nachbarschaftsfest die offizielle Grundsteinlegung.

Abgestimmtes Angebot

Natürlich durfte dabei die Einmauerung einer Grundsteinbox nicht fehlen. Enthalten waren neben einer aktuellen Tageszeitung, Münzen sowie den Planungsunterlagen in Papierform und einer DVD auch Wünsche der Frauen und Männer, die bereits in einem der beiden Lebenshilfe-Wohnheime in Sylbach leben, sowie anderer Menschen mit einem Handicap. "Wer zu uns kommt, hat Einschränkungen" sagte Vorsitzender Thomas Sechser und fügte gleich hinzu: "Aber auch Fähigkeiten. Unsere Angebote richten wir danach aus."
Das knapp 4,4 Millionen Euro teure Wohnheim mit insgesamt 24 Plätzen sowie zusätzlich sechs Plätzen für eine Tagesstruktur, die von Menschen mit Handicaps tagsüber besucht werden können, ist ein ehrgeiziges Projekt. Es wird seitens der Staatsregierung mit zirka 64 Prozent, vom Bezirk mit zehn Prozent und der Aktion Mensch mit 2,52 Prozent bezuschusst. Die Stadt Haßfurt steuert 50 000 Euro bei. Die Lebenshilfe selbst müsse knapp 23,45 Prozent finanzieren, wie der Oberauracher Bürgermeister betonte.

Drei Wohngruppen

Das pädagogische Konzept sieht drei Wohngruppen mit jeweils acht Einzelzimmern vor, wobei zwei der Räume auch für Rollstuhlfahrer geeignet sein sollen. Zudem gibt es eine Tagesstätte mit Ruhebereich sowie einen gemeinsam nutzbaren Mehrzweckbereich. Die Grundstücksfläche beträgt knapp 3500 Quadratmeter, die Wohnfläche insgesamt 1878 Quadratmeter.

Gradmesser für die Gesellschaft

Stephan Schneider, Dritter Bürgermeister der Kreisstadt Haßfurt, stellte klar, dass die Arbeit der Lebenshilfe sehr geschätzt werde. "Ich bin sehr froh, dass wir die Einrichtungen der Lebenshilfe hier in unserer Stadt und in Sylbach haben." Jede Gesellschaft müsse sich daran messen lassen, wie sie mit ihren schwächeren Mitgliedern umgeht und was sie tut, damit Menschen mit Behinderung ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen und sich wohlfühlen können. "Ich bin mir sicher, dass dies hier in der Goethestraße in einem integrierten Umfeld auch gelingen wird", sagte Schneider
Warum es vom ersten Anruf von Lebenshilfe-Geschaftsführer Olaf Haase bezüglich der Förderbedingungen der Regierung von Unterfranken im Januar 2010 über viereinhalb Jahre bis zur Grundsteinlegung dauerte, erklärte der anwesende Vertreter, Johann Lechner.
"Es mussten einfach viele Dinge erledigt werden", verwies er auf eine lange Liste mit vielen Beteiligten. Doch er zog insgesamt ein positives Fazit: "Vier Jahre sind im Rückblick eine gut investierte Zeit, wenn das Ergebnis passt."

Viele Wünsche

"Ich möchte akzeptiert, und nicht wie ein Aussätziger behandelt werden", "ich wünsche mir Platz für meine Powerranger-Sammlung", "ich wünsche mir ein liebvolles Miteinander" oder "ich wünsche mir einen Massageraum", "ich wünsche mir einen Bastel- und Kreativraum", "ich freue mich auf nette Leute": Wenn auch noch diese Wünsche beziehungsweise Hoffnungen der zukünftigen Bewohner erfüllt werden, ist die Freude sicherlich noch größer. Das neue Wohnheim soll im Oktober 2015 eröffnet werden. rn