Eine stattliche Anzahl interessierter Bürger, darunter auch mehrere Landwirte aus dem konventionellen und dem Bio-Bereich, waren der Einladung der Haßberg-Grünen zum wissenschaftlichen Vortrag über den Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und Klimawandel gefolgt. Dass es diesen Zusammenhang gibt, wollte niemand bestreiten, auch nicht den Umstand, dass die Landwirtschaft nicht der einzige Urheber des Problems ist. Einig waren sich die Grünen und die Lebensmittelerzeuger aber darin, dass die einzige wirksame Lösung wohl in einem geänderten Konsumverhalten liegt. Die Lebensmittel endlich wieder als "Mittel zum Leben" anzusehen und nicht als Ramschware über den Ladentisch zu geben, wäre sowohl für die Landwirte als auch für das weltweite Klima ein entscheidender Faktor. "Vielen Landwirten ist es egal, wie und was sie anbauen, Hauptsache die Subventionen stimmen", war aus den Reihen der Bauern zu hören. "Wir sollten wieder von dem leben können, was wir produzieren, und nicht von Zuschüssen aus Brüssel", ergänzte ein Kollege und warf ein, dass das gegenseitige Unterbieten der Preise für Lebensmittel durch die Supermarktketten "politisch gewollt" sei: "Das Fleisch und das Brot muss billig sein. Welche Auswirkungen das hat, interessiert die Politik nicht."

Referent Joschua Wolf aus Bundorf nahm den Landwirten gleich zu Beginn die Sorge, sie würden hier einen Rundumschlag gegen die Landwirtschaft erleben, doch gänzlich unschuldig sei diese Branche nicht, sagte Wolf. Der Student der Umweltsicherung in Triesdorf zeigte anhand verschiedener Schaubilder, Grafiken und Studien auf, welchen Anteil die Landwirtschaft am Klimawandel hat. Je intensiver die Landwirte ihre Äcker bewirtschafteten und intensive Massenviehzucht betreiben, desto mehr werde sich die Atmosphäre aufheizen.

"Allein in Deutschland gibt es 13 Millionen Rinder auf Weiden und in Ställen, und die stoßen auf natürlichem Wege Methan aus", erklärte Wolf. Und dieses Gas sei für die Atmosphäre 21-mal gefährlicher als das so oft genannte CO 2 . Immerhin sei der Kohlendioxidausstoß seit 1990 um 19 Prozent gesenkt worden.

Landwirte spüren es am stärksten

Doch die Landwirtschaft habe neben der Industrie und dem hohen Verkehrsaufkommen nicht nur ihren Anteil an der Klimaerwärmung, sie werde den Klimawandel auch mit am stärksten zu spüren bekommen. Bereits in diesem Sommer habe die Landwirtschaft deutliche Ernteausfälle zu beklagen. "Um die 30 Prozent", bestätigte einer der anwesenden Landwirte.

"Durch die veränderten klimatischen Bedingungen gibt es auch für Mitteleuropa unbekannte, neue Schädlinge", blickte Wolf zudem auf einen noch nicht so beachteten Aspekt.

"Wir haben keine Zeit mehr", warnte der grüne Kreisrat Harald Kuhn vor einem "Weiter so". Und Kreisrat Matthias Lewin meinte zum Schluss der Diskussion: "Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel konkret zu spüren bekommt, aber auch die letzte, die ihn noch aufhalten kann." red