Niemand wünscht sich einen Klinikaufenthalt infolge einer schweren Krankheit verbunden mit Operationen, Schmerzen und Bettlägerigkeit. Bei der Geburt eines Kindes sieht das ganz anders aus. Manchmal, und das wissen vor allem leidgeprüfte Väter, kann es gar nicht schnell genug gehen, bis der Kreißsaal als "rettende Insel" erreicht ist. Dort wissen sich die werdenden Eltern in besten Händen.

Die Bürger des Landkreises Lichtenfels sind froh, dass selbst im kleinsten Kreis Oberfrankens eine ausgezeichnete medizinische Versorgung gewährleistet ist. Das gilt nicht zuletzt für die Geburtshilfestation. Räumlich und personell ist man hier bestens aufgestellt.

"Wir haben zwei Hauptentbindungszimmer und einen dritten Raum, der ebenfalls als Kreißsaal genutzt werden kann. Zum eigentlichen Kreißsaal gehört ein Zimmer, in dem die Neugeborenen versorgt werden können. Wir haben in diesem Zusammenhang einen richtigen Reanimationsraum mit aufgebaut. Der dritte Saal wurde auch zum Notkaiserschnittsaal umgebaut", zählt Oberarzt Thomas Jacoby auf.

Auch für den Notfall gerüstet

Dann gebe es natürlich noch ein Aufnahmezimmer, ein Überwachungszimmer und ein Bad zum Entspannen - allerdings ohne Entbindungswannen. Auch für den absoluten Notfall sei man gerüstet. Dann sei auch eine operative Entbindung direkt im Kreißsaal möglich.

Ein Team, bestehend aus fünf Oberärzten unter der Leitung von Chefarzt Andreas Flessa, kümmert sich um die werdenden Mütter. Unterstützt wird das Ärzteteam von sieben Hebammen. Die Leitung im Hebammenteam hat Martina Behr.

Das Einzugsgebiet des Lichtenfelser Klinikums hat sich, was die Geburten anbelangt, in den letzten Jahrzehnten verkleinert. Früher kamen häufiger auch Frauen aus Bamberg, vor allem als dort noch die amerikanischen Soldaten stationiert waren. Die Einführung der Fallpauschalen 2005 wirkte sich negativ aus. Da Lichtenfels keine eigene Kinderklinik besitzt, muss vieles heute an die Kinderklinik in Coburg verlegt werden.

Was die Risikobewertung anbelangt, ist man sehr vorsichtig geworden. Diabetes oder ein früherer Kaiserschnitt machen jede Schwangerschaft zu einem Risikofall. Hinzu kommen die Informationen im Internet, die Frauen eher verunsichern als ermutigen. "Früher sind die Frauen gekommen und haben sich auf ihr Kind gefreut. Und heute kommen viele ängstliche werdene Mütter, weil sie irgendwo etwas gelesen haben, was sie verwirrt. Im Internet überwiegen die negativen Nachrichten. Wer schreibt denn da schon, was für eine schöne Geburt es gewesen sei", stellt Thomas Jacoby fest. Doch insgesamt sei man in der Abteilung Geburtshilfe im Lichtenfelser Klinikum mit den Geburtszahlen der zurückliegenden Jahre zufrieden.

Corona sorgt für Rückgang

Dass es 2020 einige Geburten weniger waren als im Vorjahr, war auch der Corona-Problematik geschuldet. Da wirkten sich auch die fehlenden Informationsabende ab März negativ aus. Viele Frauen waren verunsichert und wussten nicht, ob das Virus schädlich fürs Kind sein könnte. Auch das verstärkte den Trend zu den großen Häusern mit angeschlossener Kinderklinik. Die Altersstruktur der Mütter ist Jacoby zufolge in den letzten 20 Jahren nur noch geringfügig angestiegen. Die meisten Mütter seien heute etwa 30 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind bekämen.

Die Väter nähmen heute ganz regen Anteil an der Geburt. Nur bei ganz wenigen Frauen seien die Männer nicht dabei. Die Partner könnten ihre Frauen bei der Geburt unterstützen. Das heißt: die Männer stehen am Kopfende bei ihren Frauen, halten ihre Hand oder sprechen ihnen Mut zu. "Das halten die Männer auch gut aus. Es ist schon viele Jahre her, dass mit ein Vater bei der Geburt umgefallen ist", erinnert sich der Oberarzt. Sicher erlebten die Männer auch die Geburtswehen der Frauen intensiv mit, doch dank der Periduralanästhesie sind die Geburten heute weitgehend schmerzfrei.

Im Kreißsaal bleibt die Mutter nach der Geburt noch etwa zwei bis drei Stunden, bei einem Kaiserschnitt sind es vier bis fünf Stunden. Der Aufenthalt auf der Station beträgt normalerweise vier, bei einem Kaiserschnitt sechs bis sieben Tage. Bei der täglichen ärztlichen Visite erkundigt sich ein Facharzt der Gynäkologie nach dem Befinden von Mutter und Kind. Heute ist es längst der Regelfall, dass das Baby im "Rooming-In" sich im gleichen Zimmer befindet wie die Mutter. Aber auch im neuen Haus gibt es eine Besonderheit: das Kinderzimmer. Wenn es einer Mutter mal nicht so gut geht, kümmert sich die Schwester dort liebevoll um das Baby.

Infoabende in Planung

Wer aus aktuellem Anlass mehr über die Geburtshilfe im Lichtenfelser Klinikum wissen möchte, der kann sich dazu ausführlich im Internet informieren. Schwangere können sich auf der Website des Klinikums informieren, dafür wurde eigens eine Sonderseite zur Geburt bei Regiomed geschalten. Ferner bereitet der Klinikverbund für werdende Eltern in Lichtenfels eine Alternative zum bisher üblichen monatlichen Infoabend vor. kag