Immer dann, wenn Aussage gegen Aussage steht, wird es schwer, zu entscheiden, wem man glauben soll. Zumal, wenn das Geschehen rund vier Monate zurückliegt und mehrere Personen beteiligt waren. Im Falle eines 59 Jahre alten Mannes aus dem Senegal, der Arbeiter auf einer Baustelle beleidigt haben soll, glaubte Richterin Sieglinde Tettmann dem Zeugen und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 1200 Euro. Der Mann hatte im Juni einen Bauarbeiter nicht nur als "Gronicher Hörnla" bezeichnet, sondern auch mit ganz üblen Schimpfworten beleidigt. Die Sache sei ganz anders gewesen, beteuerte der 59-Jährige. Er selbst sei rassistisch beleidigt und wegen seiner Hautfarbe verspottet worden, auch das N-Wort sei gefallen. Das mit dem "Gronicher Hörnla" räumte der Angeklagte ein. Es gebe eben auch Schwarze, die fränkisch sprechen könnten. Die Beleidigungen unterhalb der Gürtellinie bestritt er jedoch energisch. Woher er wusste, dass der Bauarbeiter tatsächlich aus dem Landkreis Kronach kam, blieb offen.

Der als Zeuge geladene Bauarbeiter sagte genau das Gegenteil aus. Der Angeklagte habe laut herumzuschreien und ihm und seinen Kollegen vorgeworfen, ihn beleidigt zu haben, "dann sind die Ausdrücke gefallen", so der Zeuge. Normalerweise stehe er über den Dingen, doch als Handwerker müsse man mittlerweile so viele Anfeindungen ertragen, dass er kurzerhand die Polizei rief.

Nicht ganz auszuschließen war, dass der Angeklagte tatsächlich wegen seiner Hautfarbe rassistisch angegangen wurde. Die Frage war nur, vom wem, da er selbst einen vierten Mann und eine Gruppe Schüler ins Spiel brachte. shf