Vor allem in der Dämmerung, in der in dieser Jahreszeit der größte Teil des Berufsverkehrs stattfindet, überqueren Wildtiere verstärkt die Straßen. Hinzu kommen dann noch das Herbstlaub, die Nässe, häufig auch das Schneegestöber und der Nebel, die als eine zusätzliche Gefahrenquelle zu sehen sind, denn sie beeinträchtigen die Sicht der Kraftfahrer und verlängern die Bremswege der Fahrzeuge.

Wie das bayerische Innenministerium ermittelt hat, liegen die Hauptursachen für die immer noch zu hohe Zahl an Wildunfällen zwar einerseits in dem wachsenden Straßenverkehr, andererseits seien es aber auch die häufig den jeweiligen Situationen nicht angepassten Geschwindigkeiten, die zu vielen Wildschäden beitragen. Bei alledem ist dann noch das Freizeitverhalten der Menschen zu sehen, die das Wild stören und ihm kaum mehr Gelegenheit geben, in den Ruhezonen zu verweilen.

Deshalb appellieren gerade in der jetzigen Jahreszeit die BJV-Kreisgruppen Lichtenfels und Bad Staffenstein sowie der Bayerische Jagdverband an die Verkehrsteilnehmer, Grundbesitzer und Straßenbaulastträger, mit dazu beizutragen, dass sich die Zahl der Wildunfälle - in Bayern waren dies im vergangenen Jahr 82 000 - verringert.

Wild taucht unvermittelt auf

Die größte Gefahr droht dabei vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung. Auch bei Nacht und Nebel ist das Niederwild meistens zwischen 17 Uhr abends und 8 Uhr morgens auf Nahrungssuche. Es behält dabei seine gewohnten Wechsel bei, und deshalb sind auch die Straßen, die durch diese Waldgebiete führen, in dieser Jahreszeit besonders gefährlich.

Aber auch entlang von Hecken und aus Ackerbaukulturen kann das Wild unvermittelt auftauchen, wobei manchmal meist nur ein kurzer Schatten oder das Aufleuchten der Augen von Wildtieren, wenn sie der Fahrzeugscheinwerfer erfasst hat, zu sehen ist. Deshalb muss stets auch der Fahrbahnrand mit im Auge behalten werden und Bremsbereitschaft gegeben sein.

Ist ein Stück Wild plötzlich auf der Straße zu sehen, sollte gegebenenfalls abgeblendet und kontrolliert gebremst werden. Wenn ein Zusammenstoß nicht mehr verhindert werden kann, ist das Lenkrad unbedingt gerade zu halten. Keinesfalls sollten schnelle Ausweichmanöver versucht werden.

Nach Unfall Ruhe bewahren

Was ist zu tun, wenn es gekracht hat? Die Jagdschutz- und Jägervereine von Lichtenfels und Bad Staffelstein empfehlen, bei einem derartigen Ereignis vor allem die Ruhe zu bewahren, die Warnblinkanlage einzuschalten, die Rettungsweste anzulegen und die Unfallstelle mit einem Warndreieck zu sichern. Tiere sollten anschließend, um einer eventuellen Tollwutgefahr aus dem Weg zu gehen, nicht mit den bloßen Händen, sondern möglichst mit Schutzhandschuhen an den Randstreifen geschafft werden, um Ansteckungen zu vermeiden und Folge-Unfällen vorzubeugen. Nach dem bayerischen Jagdgesetz muss übrigens in jedem Fall der Wildunfall unverzüglich der Polizei gemeldet werden, die danach den jeweiligen zuständigen Jagdpächter verständigt.

Vorsicht, Wilderei!

Die BJV-Kreisgruppen Lichtenfels und Bad Staffelstein weisen auch darauf hin, dass getötetes Wild keinesfalls mitgenommen werden darf, denn sonst könnte sogar der Tatbestand der Wilderei entstehen.

Eine weitere wichtige Tatsache, die für das Anzeigen des Wildunfalles spricht, ist der Umstand, dass beispielsweise Rehe, die nach einer Kollision scheinbar unversehrt flüchten, meist schwer verletzt sind und jämmerlich zugrundegehen. In einem solchen Fall begibt sich dann der Jagdpächter mit seinem Hund auf die Suche nach dem verletzten Wild und kann es gegebenenfalls von seinem Leiden erlösen. Hilfreich ist es dabei, wenn ihm noch die Fluchtrichtung des Wildes mitgeteilt werden kann.