Endlich wieder Gottesdienst feiern. Endlich wieder ein Stück Normalität. Endlich wieder alles so wie "vor der Krise". So oder so ähnlich wird möglicherweise mancher gedacht haben, als vergangene Woche gemeldet wurde, dass nun "Gottesdienste wieder erlaubt" seien. Doch nach wochenlanger Abstinenz wird es erst mal nichts mit Gottesdiensten mit frohen Liedern und mit schönen Begegnungen um den Gottesdienst herum. Bischof Franz Jung und seine Mitarbeiter haben für das Bistum Würzburg einen Rahmenplan erarbeitet, der es zwar ermöglicht, ab dem 4. Mai wieder öffentlich Gottesdienst in der Kirche zu feiern - aufgrund von Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung jedoch nur unter strengen Einschränkungen. Eucharistiefeiern sind nicht erlaubt. Erlaubt sind: Andachten, Wort-Gottes-Feiern ohne Kommunionspendung und Anbetungen.

Spontane Teilnahme geht nicht

Pro Pfarreiengemeinschaft soll nur eine Kirche für Gottesdienste geöffnet werden, in deren Eingangsbereich muss ein Desinfektionsmittel-Spender bereitgestellt werden. Alle Gottesdienstbesucher müssen eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Die Teilnahme am Gottesdienst ist nur nach vorheriger Anmeldung und der namentlichen Aufnahme in eine Teilnehmerliste möglich. Eine spontane Mitfeier ist somit ausgeschlossen. Es gibt eine Höchstteilnehmerzahl, und alle Mitfeiernden müssen zwei Meter Mindestabstand zueinander einhalten, weshalb nur jede zweite beziehungsweise dritte Bankreihe besetzt werden darf.

Ein Ordner muss am Eingang stehen, den Einlass anhand der Teilnehmerliste kontrollieren und jedem einen festgelegten Sitzplatz anhand eines Sitzplans zuweisen. Zudem muss eine Eingangs- und eine Ausgangstüre festgelegt werden. Der Ordner müsse kontrollieren, dass beim Hereinkommen und Verlassen der Kirche der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Außerdem muss er einschreiten, wenn sich die Gottesdienstbesucher auf dem Kirchplatz zu nahe kommen. Natürlich müssen alle Gottesdienstbesucher eine Mund-Nase-Bedeckung tragen.

Kirchen, in denen die Bankreihen nicht von beiden Seiten begehbar sind, dürfen für Gottesdienste grundsätzlich nicht genutzt werden, da ein "Übersteigen" in den Bänken nicht gestattet ist. Außerdem müssen Markierungen auf dem Boden angebracht werden, die die festgelegten Laufwege in der Kirche vorgeben. Die Emporen dürfen nicht genutzt werden, und auf Gesang soll weitestgehend verzichtet werden. Soweit ein Auszug aus den umfangreichen Rahmenbedingungen.

Während am Kreuzberg unter diesen Bedingungen vorerst keine Gottesdienste stattfinden werden, wird es in der Pfarreiengemeinschaft "Oberleichtersbach-Schondra" mit  Dekan Armin Haas nun wieder öffentliche Gottesdienste geben. "Die Nachricht, dass Gottesdienste nach sieben Wochen Verzicht wieder möglich sind, lässt uns aufatmen". Für Haas ist es ein Zeichen dafür, dass die einschneidenden Präventionsmaßnahmen gewirkt haben. Klar sei aber auch, dass die Krankheit weiterhin gefährlich bleibe. "Deshalb müssen bei allem, was wir tun, die notwendigen Hygienevorschriften und Abstandsregeln eingehalten werden. Dies für unsere Gottesdienste sicherzustellen, kostet gerade die Verantwortlichen viel Sorgfalt, Zeit und Mühe und wird von uns allen Disziplin und Verzicht verlangen." Konkret heißt das, dass am kommenden Sonntag, 10. Mai, als Erstes nur ein Gottesdienst in Schondra gefeiert wird. "Erst danach werden wir auch in anderen Kirchen Gottesdienste anbieten. Und keiner soll länger als 30 Minuten sein." Auf ein Anmeldeverfahren werde in Schondra verzichtet, doch Ordner sollen den Zugangs regeln und müsse notfalls überzähligen Gottesdienstbesuchern den Eintritt in die Kirche verwehren.

Laut den neuen Richtlinien können da, wo die Örtlichkeit und das Wetter eine stationäre Feier im Freien möglich machen, sogar 50 Personen teilnehmen. Auch diese haben eine Mund-Nasen- Bedeckungen zu tragen, einen Abstand von mindestens 1,50 Meter voneinander einzuhalten, und  müssen - wenn nötig - ihre eigenen Sitzgelegenheiten mitbringen. Prozessionen sind allerdings nicht erlaubt. Maiandachten unter diesen Auflagen sind in Schondra, Oberleichtersbach und Singenrain in den nächsten Wochen vorgesehen.

Im Augenblick sei es nicht möglich langfristigen Gottesdienstpläne zu machen, weil alle 14 Tage die Situation staatlich und kirchlich neu bewertet werden. Über Newsletter und die Homepage werden die Gläubigen informiert. Dekan Haas betonte, dass diese Grundlinien auch mit den Pfarreiengemeinschaften Pastoralen Raum von Bad Brückenau, Kothen-Motten und dem Oberen Sinngrund  abgestimmt wurden.  So finden Wort-Gottesdienste in Motten und Bad Brückenau statt.

Ähnliche Reglungen wurden für das Dekanat Bad Kissingen getroffen. Dekan Stephan Hartmann verweist auf die baulichen Notwendigkeiten, die nicht in jeder Kirche gegeben seien. So falle die Kirche in Burkardroth weg, da die Bänke nicht von beiden Seiten aus zugänglich seien. In seiner Pfarreiengemeinschaft werden daher vorerst an den Sonntagen und an Christi Himmelfahrt nur in Gefäll, Oehrberg und Strahlsbach Wortgottesfeiern stattfinden und zwar nur mit vorheriger Anmeldung. "Das werden Ehrenamtliche vor Ort übernehmen." In Gefäll finden 45 Mitfeiernde einen Platz, in Oehrberg 40 und in Stralsbach 60. Ob die Menschen Gottesdienste mit diesen Einschränkungen und vorheriger Anmeldung annehmen werden, bleibe abzuwarten. Angeboten werden sie, da doch eine Nachfrage da gewesen sei.

Das Pastoralteam und Laien haben sich große Mühe mit neuen Online-Angeboten gegeben, wie dem Tagesimpuls und weitere persönlichen Impulsen, die auf der Homepage zur Verfügung gestellt werden.  In Bad Bocklet sei entschieden worden, dass ausschließlich in Bad Bocklet Gottesdienste stattfinden und jeweils nur die Mitglieder einer Pfarrei eingeladen sind.