D ie Freude war groß. Endlich dürfen in den Kirchen wieder Gottesdienste gefeiert werden. Bei allen guten Online-Angeboten - es ist etwas anderes, in Gemeinschaft mit- und füreinander zu beten. "Wann geht es bei uns los?", wollten nicht nur die treuen Gottesdienstbesucher wissen. Die Ernüchterung kam am nächsten Tag. Nachdem mein Kollege und ich unsere Kirchen vermessen, Konzepte entwickelt und wieder verworfen hatten, stand fest: Unsere Kirchen sind zu klein. Vorerst kann es bei uns keine Gottesdienste geben. Also wieder neu überlegen: Was brauchen die Menschen? Was lässt sich umsetzen?

Planen für lange Zeiträume ist gerade unmöglich. Was heute geht, gilt nächste Woche vielleicht schon nicht mehr. "Es haben sich wieder neue Bestimmungen ergeben." Und dann wird umgedacht und umstrukturiert in Schulen, Seniorenzentren, Familien, Arbeitsstätten... - bis zur nächsten Veränderung. Das ist anstrengend.

"Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen." (Mt 6,34). Ob Jesus seine Zeit auch als Ausnahmesituation wahrgenommen hat? Er ist ein Meister darin, Gewohntes auf den Kopf zu stellen. Wenn ich ob der Situation momentan doch einmal drohe, in Panik zu verfallen, dann sage ich mir diesen Satz vor. Heute ist wichtig. Wer längere Zeit krank war, kennt das. Es kommt auf den Moment jetzt an. Was morgen ist, das muss man dann sehen. Planen lässt sich wenig: "Jeder Tag hat seine eigene Plage." Oder eben auch seine eigene Freude. Das müssen wir gerade alle lernen.

In der Kirchengemeinde planen wir jetzt kurze Andachten unter freiem Himmel im Stehen. Andacht "to go" sozusagen: Gottes Wort zum Mitnehmen in den Alltag. Das hat doch was.

Mirjam Elsel ist Pfarrerin in der Ev.-Lutherischen Kirchengemeinde Hirschaid-Buttenheim und Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit im Dekanat Bamberg.