Wort zum Sonntag für den 27. September:

W er kennt sie nicht, die großen Fragen des Lebens, die man sich - nicht nur - als junger Mensch stellt. Was ist wirklich wichtig im Leben? Wo geht es mit mir im Leben einmal hin? Was macht mich aus? Gibt es einen Gott?

Kennen Sie den autobiografischen Roman "Crazy" von Benjamin Lebert? Er lässt den Leser sein eigenes Erwachsenwerden hautnah miterleben. Er ist 16 und wechselt zum fünften Mal die Schule. Doch mehr als das Abitur beschäftigt ihn die Frage, worum es im Leben eigentlich geht. Er macht Erfahrung mit Mädchen, Sexualität, Alkohol und Freundschaft. Dabei merkt er wie "crazy" die Welt eigentlich ist. Was vordergründig nach einer platten Teenagerstory klingt, erweist sich als Erzählung, die sensibel durch die Irrungen und Wirrungen der Pubertät führt.

Benjamin Lebert bedient sich einer unverblümten Sprache. Er schafft es, Fragen Jugendlicher um Glaube und Gott authentisch zu spiegeln. Benjamin unterhält sich mit seinem Freund Janosch und stellt fest, "Gott ist crazy, er ist ein Lustmolch ... Er will, dass wir leben". Er übersetzt so die Grundlage unseres christlichen Glaubens - das Leben in Fülle - für Jugendliche in verständliche Worte. Janosch stellt fest, dass er sich von Gott ein Autogramm holen will, wenn er einmal vor ihm steht und greift damit das Leben nach dem Tod auf. Mit der Aussage "Gott gibt jedem ein Autogramm. Er hat keine Starallüren." entgegnet Janosch den kritischen Nachfragen Benjamins und zeigt auf, dass jeder Mensch von Gott angenommen ist.

Unter Leben in Fülle könnte man materiellen Reichtum in Saus und Braus verstehen. Das wäre jedoch zu kurz gegriffen. Vielmehr ist dies für mich eine Einladung, das Leben mit all seinen Facetten wahrzunehmen. Nicht nur die schönen und glücklichen Momente, sondern auch Zeiten der Trauer und des Abschieds. Dies setzt für mich eine Bereitschaft voraus, mich auf das Leben einzulassen und immer wieder mit Gott und meinen Mitmenschen in Beziehung zu treten. Dann werde ich mit Erfahrungen beschenkt, dass ich - mit allen meinen Schwächen und Stärken - ein wertvoller Mensch bin und anderen Menschen gut tun kann.

Zum Leben in Fülle gehört für mich aber auch, dass Gott uns unsere Erfahrungen im Leben machen lässt. Als guter Hirte lässt er mich auch dann nicht im Stich, wenn ich dabei einen schwierigen Weg einschlage. Ich bin ihm nicht egal. Er gibt mich niemals auf. Er kümmert sich um mich und geht mit mir durch die Höhen und Tiefen meines Lebens. Darauf zu vertrauen ist nicht immer einfach. Gerade dies aber wünsche ich uns allen.

                                   Ralf Sauer

                               Stv. Leiter der Jugendbildungsstätte Volkersberg