Die Reformationsdekade mit dem allerorten feierlich begangenen Reformationsfest hat ihren Höhepunkt hinter sich. Das Thema Reformation freilich ist damit noch längst nicht erschöpft - auch nicht in Gotha. Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha zeigt bis zum 11. Februar 2018 eine neue Sonderausstellung: "Schauplätze der Reformation - Fotografien von prominenten und weniger bekannten Orten, von wirklichen und konstruierten".
Dem Fotografen Henning Kreitel ist es gelungen, Lutherorte auf eine etwas andere Art und Weise einzufangen - jenseits von Klischee und Postkartenidylle. Zwar hat Kreitel bei seiner 30-tägigen Reise durch Mitteldeutschland auch die Reformations-Klassiker in Wittenberg oder Eisenach eingefangen, er zeigt sie aber nüchtern und unaufgeregt. Statt glänzendem Sonnenlicht und knalligen Farben tragen seine Fotos einen unaufgeregten Herbstlook: Natürliches Licht und Oktoberwetter sind die Markenzeichen der Foto-Serie, aus der auch ein Buch gemeinsam mit dem Autoren Günter Kowa entstanden ist.


Schicksalsort bei Mühlberg

Zwischen Wartburg und Lutherstube haben sich auch Motive gemischt, bei denen der Betrachter erst einmal um die Ecke denken muss, um zu verstehen, was sie in einer Ausstellung zu suchen haben, die im Titel das Wort "Reformation" trägt: Da wäre zum Beispiel die Aufnahme einer gemächlich vor sich hinf ließenden Elbe mit weidenden Kühen im Hintergrund. Auf den ersten Blick eine Idylle ohne Lutherbezug, auf den zweiten ein Ort, der in die Geschichtsbücher als ein protestantischer Schicksalsort eingegangen ist: Mühlberg. Kreitel hat jene Stelle bei Mühlberg abgelichtet, an der die kaiserliche Armee 1547 den Fluss überquert hatte und die Truppen des Schmalkaldischen Bundes vernichtend schlug.
Die Wanderausstellung, die zuvor in Luthers Sterbehaus in Eisleben, im Landtag von Sachsen-Anhalt oder auch in den Franckeschen Stiftungen zu Halle zu sehen war, zeigt eine Auswahl der eindrücklichsten Aufnahmen des in Weimar geborenen Fotografen. Henning Kreitel selbst sagt über das Thema seiner Ausstellung: "Historische Schauplätze haben Anziehungskraft, obwohl die Bühne leer, das Ereignis vorbei, der Held längst tot ist. Aber der Ort befriedigt - gegebenenfalls enttäuscht - das Bedürfnis nach Ausstrahlung von Authentizität. Allenfalls beflügelt er doch die Vorstellungskraft." - Sonderausstellung "Schauplätze der Reformation", Herzogliches Museum Gotha (bis 11. Februar 2018). sfg