Wir werden sicher keinen Spieler verpflichten, den Brian nicht will. Aber wir werden auch niemanden zum HSC holen, den ich nicht will ..." Gemeinsam mit seinem neuen Trainer Brian Ankersen stellt Jan Gorr derzeit eine Mannschaft auf die Beine, die ab diesem Sommer wieder angreifen soll. Schließlich laufen gleich acht Verträge aus (siehe oben). Jede neue Verpflichtung, jeder auslaufende Vertrag geht zuerst über den Tisch des Geschäftsführers, ehe der Aufsichtsrat das letzte Wort bei den Personalentscheidungen hat.

Die Mannschaft steht mit einem negativen Punktekonto von 14:20 derzeit auf dem nicht zufrieden stellenden 13. Tabellenplatz und muss aufpassen, nicht noch weiter abzurutschen. Die leichtsinnige Einstellung, dass es am Ende schon irgendwie reichen wird, sieht Gorr nicht: "Wir haben tolle Typen, das wird uns nicht passieren."

Er könne ja schließlich auch die Tabelle lesen. Und seine Spieler seien durchweg vernünftige Leute, die mit offenen Augen durchs Leben gehen. Gorrs Antwort auf die Frage, ob sich er und seine Bundesliga-Profis auch tatsächlich bewusst sind, dass der HSC gegen den Abstieg aus der 2. Bundesliga kämpfen muss, fällt also relativ nüchtern aus. Kein Wunder, denn die Vorrunde war eine verkorkste. Natürlich haben sich alle wesentlich mehr erhofft: "Wir wollten ja schließlich oben mitspielen."

Drei Dinge waren im Herbst 2021 für die Weiterentwicklung des Teams kontraproduktiv: Der frühe Trainerwechsel, das enorme Verletzungspech und - wie sollte es anders sein - natürlich die Pandemie. "In dieser geballten Form wirkt sich das zweifelsohne auf die Leistungen der Spieler aus." Ein Alibi gibt der Ex-Trainer seinen Protagonisten auf der Platte deshalb aber nicht. Im Gegenteil: "Wir hatten massive Probleme in der Deckung. Das Torwartspiel war in der Vorrunde auch nicht gut."

"Wir haben zu viele Fehler gemacht"

Und was Gorr besonders ärgert: "Unglaublich, wie viele technische Probleme wir bei Ballbesitz hatten, wie viele individuelle Fehler wir produziert haben und den Gegner zu Tempogegenstößen eingeladen haben. So schnell kannst du gar keine vernünftige Abwehr mehr stellen", schimpft der 43-jährige Coburger auch noch zwei Monate nach den schlechten Spielen.

Der Handball-Experte lebt bereits seit 2012 in der Vestestadt und prägt(e) erst als Trainer und jetzt als Geschäftsführer die Geschicke des HSC entscheidend mit. Seine aktuelle Rolle macht ihm trotz der verflixten Corona-Zeit viel Spaß: "Es sind große Herausforderungen, die auf mich und mein Team in der Geschäftsstelle warten."

Ganz oben auf der Agenda steht dabei die "Rückgewinnung der Zuschauer", wie es Gorr formuliert. "Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Wir wollen unsere Fans zurück in der Halle holen. Diese tolle Atmosphäre fehlt uns, vor allem aber den Spielern."

Handball-Euphorie wieder wecken

Die große Handball-Euphorie, die in der Vestestadt herrschte, hat Corona nämlich längst aufgesaugt. Rund 1000 Zuschauer zu Beginn der Saison, aufgrund der Auflagen dann deutlich weniger und schließlich deprimierende "Geisterspiele" - das sind die Fakten der laufenden Serie. Sicher nicht der Anspruch des ambitionierten Zweitligisten. Die HUK-Arena soll wieder zum Handball-Tollhaus werden. Doch bis das wieder so weit ist, müssen nicht nur Gorr und Ankersen noch viele gute Entscheidungen treffen.