Kürzlich haben zwei Polizisten in Gunzendorf – wie berichtet – einen schwerverletzten Fuchs überfahren, um ihn zu erlösen. Der zuständige Jagdpächter will Anzeige gegen die Ordnungshüter erstatteten. Interne Ermittlungen laufen bereits. Nun fragen wir: "Wie muss ein Polizeibeamter vorschriftsmäßig handeln, wenn er in eine solche Situation gerät?" Werner Rebhan, selbst Jäger und stellvertretender Dienststellenleiter der Inspektion Bamberg Land klärt auf und gibt Tipps für die Bevölkerung. Fränkischer Tag: Wie hat ein Polizist vorzugehen, wenn er einverletztes Tier auf der Straße vorfindet? Werner Rebhan: Zuerst muss er schauen, ob es sich um ein gefährliches Tier handelt oder nicht. Abhängig davon muss er die Stelle weitläufig absichern, oder nur so, dass der Verkehr nicht gefährdet wird. Dazu sollte er seinen Dienstwagen auffällig positionieren und das Blaulicht einschalten. Danach wird der Jagdpächter kontaktiert. Der muss überprüfen, ob das Tier durch ärztliche Hilfe gerettet werden kann. Wenn dem nicht so ist, muss er es erlösen. Sollte kein Jagdpächter erreichbar sein, nimmt der Beamte die Überprüfung und gegebenenfalls auch die Tötung vor. Darf er hierzu seine Dienstwaffe einsetzen? Bei kleineren Wildtieren kann er seine Dienstwaffe einsetzen. Es besteht auch die Möglichkeit eine Maschinenpistole zu verwenden. Die befindet sich eigentlich in jedem Dienstfahrzeug. Besonders wichtig ist hierbei, dass keine Außenstehenden gefährdet werden. Für größere Tiere – vom Schwarzwild aufwärts – haben wir ein Gewehr auf der Polizeidienststelle. Mit diesem ist die Durchschlagskraft groß genug. Welche Besonderheiten gibt es innerhalb von Ortschaften? Hier besteht eine erhöhte Gefährdungsprognose. Prinzipiell darf auch hier jede unserer Schusswaffen zum Einsatz kommen. Es ist jedoch von der Situation abhängig. Es dürfen keine umstehenden Personen gefährdet werden. Ein sicheres Schussfeld muss also vorhanden sein – ein natürlicher Kugelfang ist auch nötig, falls das Projektil durchschlägt. Was, wenn das Gefährdungspotenzial für den Schusswaffeneinsatz zu hoch ist? Dann muss der Beamte seinen Schlagstock einsetzen. Wenn es sich aber um ein gefährliches Tier handelt, das sich wehrt, geht der Selbstschutz vor. Um den zu gewährleisten, sind unsere Schlagstöcke zu kurz. Dann sollte der Kollege improvisieren. Ein großer Prügel wäre das beste, für einen gezielten Kopfschlag. Was sind die Pflichten eines Autofahrers nachdem er einen Wildunfall verursacht hat? Er muss anhalten, wie bei jedem anderen Verkehrsunfall auch. Anschließend ist das Tier, wenn möglich von der Fahrbahn zu ziehen. Erst wenn die akute Gefahr vorbei ist, wird die 110 gewählt. Wir kümmern uns dann um den Rest. Auch um die Ausstellung einer Wildunfallbescheinigung. Die ist wichtig, für die Versicherungsmeldung und kann auf der zuständigen Dienststelle abgeholt werden. Darf die betroffene Person auch direkt den Jagdpächter kontaktieren? Das dürfte sie schon. Der kann das auch ohne uns abwickeln. Er hat sogar das Recht eine Wildunfallbescheinigung auszustellen. Im Normalfall haben die Leute aber keine Kontaktadresse und melden sich bei uns. Hat ein Bürger das Recht bzw. die Pflicht ein verletztes Tier zu erlösen, wenn sich die Ankunft der Polizei oder des Jagdpächters verzögert? Ja, eigentlich muss er vermeidbares Leid bei einem Tier beenden. Die meisten Menschen wollen dies Handwerk jedoch nicht ausüben und rufen dann den Freund und Helfer. Das ist auch verständlich. Wie viele Wildunfälle haben die Bürger im Jahr 2020 im Landkreis Bamberg gemeldet? Wir hatten 876 gemeldete Wildunfälle im vergangenen Jahr. Das Jahr zuvor waren es 801. Das Gespräch führte Sven Dörr.