Stephan Herbert Fuchs

Egal, ob damit gefahren wird oder nicht: Wer ein Kennzeichen an einem Fahrzeug anbringt, das nicht für dieses Auto ausgegeben wurde, macht sich strafbar, zumal wenn die Plaketten für Zulassung und Tüv-Untersuchung gefälscht werden. Ein 34-jähriger Mann aus Kulmbach hat genau dies getan. Wegen Urkundenfälschung wurde er nun zu einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro (1350 Euro) verurteilt.

Der Mann hatte seinem Cousin einen schrottreifen Audi A4 abgekauft und wollte das Fahrzeug vermutlich für den Weiterverkauf überführen. Doch schon dabei gab das Auto den Geist auf. So stellte er es bei einem Bekannten im Stadtgebiet ab. Dummerweise aber war der Parkplatz anderweitig vermietet, so dass die Mieter die Polizei riefen. Die Beamten merkten gleich, dass da etwas faul war, und stellten das Kennzeichen mit den gefälschten Plaketten sicher. Dabei tauchte der Angeklagte auf. Was blieb ihm anderes übrig, als alles noch an Ort und Stelle zuzugeben?

Das Auto sollte am nächsten Tag abgeholt werden, erklärte der Mann vor Gericht. Aus Angst davor, abgeschleppt zu werden, wenn er das Auto ohne Kennzeichen einfach irgendwo abstelle, habe er das falsche Kennzeichen angeschraubt.

Das Fahrzeug war bereits seit einem Jahr abgemeldet, sagte der ermittelnde Beamte von der Polizei-Inspektion Kulmbach. Die angebrachten Kennzeichen seien aktuell gar nicht ausgegeben worden und die aufgeklebten Plaketten hätten so seltsam ausgesehen, dass sofort klar gewesen sei, "hier stimmt etwas nicht".

Ein ellenlanges Vorstrafenregister

Der Angeklagte hatte ein ellenlanges Vorstrafenregister wegen der verschiedensten Straftaten von Sachbeschädigung über Diebstahl bis hin zum Drogenbesitz. Interessant ist die letzte Straftat: Am Parkplatz Schwedensteg hatte der Angeklagte im April dieses Jahres von einem parkenden Auto die Kennzeichen entwendet. Per Strafbefehl wurde er deshalb zu 750 Euro verdonnert. Weil davon noch nicht ein Cent beglichen war, floss diese Geldstrafe am Ende in das aktuelle Urteil mit ein.

Eine noch höhere als die letztlich verhängte Strafe hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft mit 100 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro beantragt. Der Anklagevertreter sprach von einem "glasklaren Fall der Urkundenfälschung". Zwar habe der Angeklagte alles zugegeben, doch habe er auf der anderen Seite eine umfangreiche Vorstrafenliste.

Das nannte Verteidiger Alexander Schmidtgall "ein bisschen übertrieben" und beantragte eine mit 30 Tagessätzen deutlich niedrigere Strafe. Es sei zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr von seinem Mandanten ausgegangen, denn der wollte ja gar nicht mit dem Auto fahren.

"Es ist und bleibt trotzdem eine Urkundenfälschung", sagte Richterin Sieglinde Tettmann in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe damit schließlich täuschen wollen. Wenn die Strafe mit 90 Tagessätzen doch etwas niedriger als von der Staatsanwaltschaft gefordert ausfiel, dann deshalb, weil der Angeklagte nicht erst vor Gericht, sondern schon vor Ort alles zugegeben hätte. Ob man ihn sonst erwischt hätte, sei gar nicht einmal so sicher.