von unserem Mitarbeiter Andreas Welz

Kloster Banz — Mit einem furiosen Konzert blies das Blechbläserquintett der Bamberger Symphoniker am Sonntag zur neuen Saison der Kammermusik auf Banz. Und es begann mit einem Paukenschlag: "Der Untergang der Titanic" von Wilhelm Dieter Siebert. Der brave Trompeter, der Posaunist, der Hornist und der Mann mit der Tuba waren nicht wiederzuerkennen. Mit Glasglocken Tamburin, Triangel, Ratschen und Becken inszenierten sie hautnah die große Schiffskatastrophe im Nordatlantik vom 14. April 1912. Die stolze Fahrt von Southhampton intonierte das Ensemble majestätisch, das Nebelhorn tutete und die Dampfpfeife zischte. Den Ball an Bord begleitete ein Salonorchester. Düstere Passagen wiesen auf die bevorstehende Katastrophe hin. Und dann kam die Havarie mit ohrenbetäubendem Krachen des splitternden Eises und schließlich der Untergang des Schiffes, der mit dem Choral "Näher, mein Gott zu Dir ..." endete.


Motto soll Jüngere ansprechen

Die neue Saison mit dem Motto "Amerika" soll auch jüngere Leute ansprechen, so der künstlerische Leiter Achim Melzer. Er überließ die Moderation dem Tubisten, Heiko Triebner, der humorvoll und anekdotenreich durch das Programm führte. Der Überraschungsanfang gelang mit Leonard Bernsteins "I like to be in America" aus der Westside Story. Die Yankee-Doodle-Fanfare von William Mayer intonierte das Quintett majestätisch. Beschwingt präsentierte das Quintett "Bi Tango" und "Dance Suite" von Bernstein. Hier dominierte südamerikanische Musik aus Uruguay und Argentinien.
Mit glänzendem Blech in dunklen Anzügen gestalteten die fünf Männer der Bamberger Symphoniker ein Meisterkonzert, mit einem übergreifenden Programm, das von Alaska bis Feuerland reichte. Die Musik überzeugte durch außerordentlich präzises Spiel und launige Gestaltung.
Schwungvoll ging es weiter mit "Ragtime" von Scott Joplin. Mit "Heal the World" von Michael Jackson erinnerte das Ensemble an die weltweite Flüchtlingskatastrophe. Die Titelmelodie von "The American" von Elgar Howarth erstreckte sich über 17 Minuten. Hier packten die Bläser alles rein, was der Komponist und ehemalige Trompeter mit Amerika verbindet. Aufgewachsen in einer Brass-Band-Familie, hat sich Howarth seine Vorliebe für diese musikalische Gattung stets bewahrt. Mit Strayhorns "Take a Train" bewiesen die Bläser, dass eine Bigband auch von fünf Musikern interpretiert werden kann. Mit der "Suite from the Monteregion Hills" von Morley Calvert kehrte das Quintett schließlich wieder in den hohen Norden des Kontinents zurück. Der kanadische Komponist beschreibt die isolierten Hügel seiner Heimatprovinz Quebec.


Sensible Spielweise

Markus Mester und Lutz Randow traten mit ihren Trompeten klar und doch weich auf, Stefan Lüghausen brachte seine Posaune akzentuiert zum Sprechen, Hornist William Tuttle musste und konnte sich in sensibler Spielweise behaupten, und Heiko Triebner entlockte der Tuba behände und moduliert erstaunliche Töne.
Als Zugabe wählten das Quintett den 1. Satz der "Titanic" aus und traf damit genau den Geschmack des Auditoriums.