An diesem Samstag öffnet die Interessengemeinschaft Aktive Mitte - vielleicht zum letzten Mal - die Tore der "keimenden Kulturgärtnerei". Mit Musik von der Band CatState (ab 19 Uhr), einer Einlage des Theaters im Gärtnerviertel (ab 18 Uhr), Essen und Trinken und - so hoffen die die Initiatoren des Projekts - bald einer finalen Entscheidung für die Stadt von der Stadt.
Gut ein Jahr ist es her, dass man es sich im Hof der Färbergasse 28 bei Kaffee und Kuchen auf Liegestühlen gemütlich machen konnte. Da galt es, "Kultur in den Leerstand" zu bringen, und die Interessengemeinschaft Aktive Mitte führte vor, wie es sein könnte. Oleandersträuche und Olivenbäume zierten den morbiden Charme auf dem ungenutzten Gelände der früheren Gärtnerei Rost, Blumen und Kräuter ansässiger Gärtnereien standen zum Verkauf, eine mobile Kaffeebar sorgte für leckeren Duft und Geschmack, Kuchentheke und Bilderausstellung im Innenraum, mal ein Konzert, mal eine Stadtführung, ein Bürgergespräch oder ein Grillabend, Theater, Vorträge und Diskussionen. Austausch und Gemeinschaft wurden gelebt und machten den verlassenen Ort zu einem sinnvollen Treffpunkt im und für das Gärtnerviertel.
Die IG Aktive Mitte präsentierte ihr Konzept "Kulturgärtnerei" und viele Stadträte und die Bürgermeister kamen zum Gespräch. OB Andreas Starke gab sein Wort, das Objekt aus der geplanten Ausschreibung zum Verkauf zu nehmen und zunächst zu prüfen, ob das Objekt im Rahmen der Städtebauförderung für einen gemeinnützigen Zweck entwickelbar wäre.
Im Zuge dessen wurden die Kosten einer Komplettsanierung erarbeitet, die, wie zu erwarten war, einen Millionenbetrag erfordert hätte. Diese wurde seitens aller Beteiligten als unrealistisch eingeschätzt und war eigentlich auch nicht im Sinne des ursprünglichen Plans der IG Aktive Mitte, den Charme des Objektes möglichst unverfälscht und mit wenig Aufwand zu bewahren.
Schließlich einigte man sich auf eine Schätzung der Minimalkosten zu Herstellung der "Verkehrssicherheit". Die Stadtbau GmbH signalisierte Unterstützung und neue Vorfreude kam auf. Jetzt lag es nur noch an der formalen Übergabe des Objekts von der Stadt zur Stadtbau, denn noch ist die Färbergasse 28 im Besitz der Stadt Bamberg. Und hier scheint es jetzt nach unzähligen Stunden konzeptioneller und ehrenamtlicher Arbeit zu scheitern. Enttäuschung klingt in der Pressemitteilung durch, die die IG Aktive Mitte vor dem Aktionstag am Samstag herausgegeben hat: "Sicher, es gibt Städte, die überlassen einen solchen Leerstand für einen symbolischen Euro, bedanken sich bei den Tatkräftigen und freuen sich über eine engagierte, bürgernahe Stadtentwicklung. Davon kann man in diesem Fall nur träumen. Denn es ist nicht genug, wenn für die Stadtkasse keine Kosten entstehen, vielmehr soll mit dem Verkauf ein deutlicher Gewinn erwirtschaftet werden. Das könnte passieren, wenn Buchhaltung Politik macht. Der spitze Bleistift wird zum Zepter. Ökonomismus statt Nachhaltigkeit." red