von unserem Mitarbeiter Christoph Winter

Coburg — Wer sich in der Stadt Coburg ernsthaft und sichtbar um ein attraktives Stadtbild bemüht, hat gute Chance, in den Genuss einer besonderen Auszeichnung zu kommen. Gestern hat der Bau- und Umweltsenat des Stadtrats wieder sechs Hausbesitzer für die vorbildliche Sanierung ihrer Gebäude mit Urkunden und Medaillen geehrt.
Sanierungsurkunden erhalten Hildegard Weidinger, Obere Anlage 2; Kristina Hachert und Holger Treppl, Judengasse 1a, sowie Ali Gündüz für das Haus in der Creidlitzer Straße 91.

Drei Rundbogenfenster

In der Oberen Anlage 2 gab 1818 der geheime Konferenzrat Christoph Arzberger den Bau eines zweigeschossigen, klassizistischen Wohnhauses in Auftrag. Adolf Riemann ließ 1908 einen dreigeschossigen Anbau an der Südostecke errichten und das Dachgeschoss zu Wohnzwecken ausbauen.
Ursprünglich sind noch die Straßenfassade und die zugehörigen Räume. Einen Balkon und drei Rundbogenfenster weist die Straßenfassade im Obergeschoss auf. Das Treppenhaus ist in einem Risalit mit Eckbänderungen angeordnet. Lamellenläden sind bei den Fenstern markant. Heute sind dort Kanzleien und Praxen untergebracht.
Um 1600 beginnt die Geschichte des dreigeschossigen Wohn- und Geschäftshauses in der Judengasse 1a. 1843 wurde es rückwärtig mit dem Gasthaus "Zum grünen Baum" am Markt 4 verbunden, um dieses zu vergrößern. Eine dritte Rundbogentür in der Fassadenmitte ließ Gastwirt Heinrich Eduard Hartdegen 1864 einbauen.
1901 erfuhr das Haus weitere Umbauten: Fassade, neue Dachgauben und ein größerer Laden. Uhrmachermeister Fritz Koch ließ 1942 den Laden erneut umgestalten. In den folgenden 50 Jahren kam es immer wieder zu Fassadenänderungen. Die Anordnung der Fenster in den Obergeschossen und das leicht vorragende zweite Obergeschoss lassen eine verputzte Fachwerkkonstruktion vermuten. Die Besitzer brachten die Fassade wieder auf Vordermann.
Das kleine Haus in der Creidlitzer Straße 91 gefällt wieder durch eine intakte Schieferverkleidung. Die alte Creidlitzer Schmiede musste umfassend saniert werden, denn im Laufe der Jahre und Jahrzehnte hatte sich eine Wand abgesenkt, Deckenbalken verfaulten und mussten neu eingezogen werden, und schließlich erhielt das Haus durch dreigeteilte Fenster wieder ein typisches Aussehen.
Eine Medaille für gelungene Altbausanierung geht an Marion und Volker Sommer aus Lautertal für das Hotel Villa Victoria in der Ketschendorfer Straße 2. Peter Gieck ließ 1835 das freistehende zweigeschossige Biedermeierhaus erbauen.

Hotel sehr gut ausgebucht

Im Haus sind das Treppenhaus mit seiner Vertäfelung, die Treppengeländer und -pfosten, einige Türen mit Oberlichtern und Gang fenstern mit Altverglasung als historische Details erhalten.
2013 wurde das Gebäude saniert und zum Hotel umgebaut. Marion Sommer beim Besuch des Bau- und Umweltsenats: "Wir sind sehr gut ausgebucht, das freut uns und ist ein Lohn für die Anstrengungen."
Matthias Stegner brachte das Haus in der Hohen Straße 30 wieder in Schuss. Die repräsentative Villa im Stil der Neurenaissance steht seit 1874 inmitten eines parkähnlichen Geländes. Das Gartenportal mit einem reich verzierten Gittertor stammt aus dem Jahr 1911. Das Tor soll in der nächsten Woche wieder montiert werden.

"Das sah ganz schlimm aus"

"Das sah ganz schlimm aus", so der stolze Besitzer. Modernste Haustechnik sorgt für einen effizienten und sparsamen Energieverbrauch. Imposant ist der Blick von der Terrasse an der Rückseite der Villa auf die Stadt. Auch hier vergab der Bausenat eine Sanierungsmedaille.
"Leise am Markt" ist das Haus in der Herrngasse 2 benamt, das die Coburger Firma Leise sanierte und für eine neue Nutzung umbaute. Auch sie erhielt nun eine Sanierungsmedaille. Eines der ältesten Häuser beim Coburger Marktplatz wurde zu einem modernen Gesellschaftshaus entwickelt. Das giebelständige, sechsgeschossige Steinhaus mit Satteldach hat seinen Ursprung im 14. Jahrhundert, die erste Erwähnung stammt von 1407.

Kleinkunstbühne und Wohnungen

Um 1590 diente es als Kornhaus und nach 1600 nach einem Brand als Ratskemenate. Nach einigen inneren Veränderungen 1937 befreite man 1950 die Straßenfront vom Putz und nutzte ab 1976 den Laden als Bäckerei. Heute sind in dem Haus eine Kleinkunstbühne und Wohnungen untergebracht.
Die offizielle Übergabe der Urkunden und Medaillen erfolgt in würdigem Rahmen bei der Fassadenprämierung des Vereins Stadtbild Coburg.