Die Tatanklage klingt kompliziert. "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Tatmehrheit mit versuchtem Totschlag rechtlich zusammen treffend mit gefährlicher Körperverletzung". Anders gesagt geht es im Prozess, der gestern vor dem Landgericht Coburg eröffnet wurde um Rechtsextremismus, Drogen, Geldschulden und Gewalt. Angeklagt ist Karl-Heinz K. aus Bamberg.

Rechtsextreme Parolen

Die mutmaßliche Tat hat sich am 24. Juni 2020 ereignet. Laut Anklage waren K. und seine Lebensgefährtin Stefanie A. um dreiviertel sechs am Abend am Bahnhof Lichtenfels in den Regionalexpress eingestiegen. Beide sollen sichtlich angetrunken gewesen sein. 45 Minuten später liegt die Frau bewusstlos im Mittelgang des Zuges, ein Arzt muss sie versorgen. Was dazwischen genau passiert ist, soll nun die Beweisaufnahme klären.

Laut Anklage ist Karl-Heinz K. bereits beim Einsteigen in den Zug übel aufgefallen. "Heil Hitler!" soll er gerufen haben, für andere Passagiere deutlich zu hören.

Danach soll es zum Gewaltausbruch gekommen sein. Erst habe sich das Pärchen gestritten - die Frau soll Schulden beim Angeklagten gehabt haben, Grund dafür sei ihre Alkoholsucht. Im Zuge des Streits soll der Angeklagte Stefanie A. gegen die Fensterseite des Zuges gedrängt, am Hals gepackt und mindestens 15 Sekunden lang gewürgt haben.

Sie habe sich gewehrt und ihm in die Hand gebissen, darauf habe er sie an ihrem Zopf gepackt und nach unten gezogen. Ihr Kopf befindet nur wenige Zentimeter über dem Boden, als Karl-Heinz K. seiner Lebensgefährtin schließlich mindestens ein Mal gegen den Kopf tritt, woraufhin sie das Bewusstsein verliert, heißt es in der Anklageschrift.

Und statt Erste Hilfe zu leisten, soll der Angeklagte die Frau auf dem Bauch liegend im Mittelgang des Zuges zurückgelassen haben. In Ebersdorf bei Coburg, wo der Zug nach der brutalen Auseinandersetzung lange stehen blieb, soll er den Regionalexpress verlassen haben.

"Geld versoffen"

Der Angeklagte sieht sich hingegen als das Opfer in der Sache. Karl-Heinz K. war in der Verhandlung aufgewühlt. Schon, als er zunächst zu seiner Person, seinem familiären Hintergrund, seinem Werdegang befragt wird, sprudelt es nur aus aus ihm heraus. Er beschreibt schon zu Beginn der Befragung detailreich, wie sich das Ganze aus seiner Sicht ereignet hat.

Stefanie A. habe sein "Geld versoffen", habe ihn schon zuvor öfter angegriffen. Am Tattag habe sie trotz der Schulden noch mehr Geld von ihm haben wollen. Davon habe sie sich Crystal Meth kaufen wollen.

Karl-Heinz K. habe sich aber geweigert. Er habe dann versucht, der Frau die Wodkaflasche wegzunehmen, die sie bei sich hatte. Da sei sie "ausgetickt", sagt K. Und auch sie sei es gewesen, die rechtsradikale Parolen im Zug gerufen habe, nicht er selber.

Der Angeklagte wird in seiner Aussage zuweilen so emotional, dass er der Richterin immer wieder ins Wort fällt. Die muss ihn am Ende harsch ermahnen.

Am 22. Februar wird die Verhandlung gegen Karl-Heinz K. am Landgericht fortgesetzt.