Führungskräfte, die vor lauter Arbeit und Stress erschöpft sind, schaden damit nicht nur sich selbst. Das belegt eine Studie von Psychologinnen der Universität Bamberg, die jetzt in der Fachzeitschrift "Journal of Managerial Psychology" veröffentlicht worden ist. Wie die Hochschule mitteilt, untersuchten die Wissenschaftlerinnen, wie sich Erschöpfung von Führungskräften auf deren Mitarbeiter auswirkt. Die Ergebnisse stellt Prof. Astrid Schütz, Inhaberin des Lehrstuhls für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Uni Bamberg, zum Abschluss des Fachtags "Gesunde Führung" am Samstag, 12. Januar, vor. Der öffentliche Vortrag beginnt um 17.30 Uhr in Raum M3N/02.32, Steinertstraße 1.

Wenn Führungskräfte überanstrengt sind, seien sie beispielsweise weniger bemüht oder in der Lage, Belastungen für sich selbst und das Team zu reduzieren. Auch könnten sie ihr Team weniger inspirieren und motivieren. Dieses Verhalten habe nach einigen Monaten negative Auswirkungen: Die Mitarbeiter fühlten sich nicht nur unwohl, sondern würden vermehrt unter körperlichen Beschwerden, beispielsweise unter Kopf- und Magenschmerzen leiden.

Körperliche Beschwerden

Für die Studie befragte Prof. Astrid Schütz zusammen mit den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Christina Köppe und Jana Kammerhoff im Jahr 2017 Führungskräfte in einem Onlinefragebogen. Diese beantworteten unter anderem Fragen zu ihrer Mitarbeiterführung, ihrem Verhalten im Arbeitsalltag und ihrem derzeitigen Gesundheitszustand. "Die Analysen zeigen, dass es einen indirekten Crossover-Effekt gibt", fasst Astrid Schütz das Ergebnis zusammen und erklärt: "Wenn Führungskräfte erschöpft sind, kümmern sie sich weniger um das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter. Dadurch nehmen die körperlichen Beschwerden von Angestellten zu." Einen direkten Crossover-Effekt hatten die Psychologinnen hingegen nicht feststellen können. Das heißt, dass sich die Erschöpfung nicht direkt vom Chef auf die Mitarbeiter überträgt - wie beispielsweise schlechte Laune von einem auf den anderen Menschen übergehen kann.

Was bedeutet dieses Ergebnis nun für Arbeitgeber? "Organisationen sollten gesundheitsbewusstes Verhalten ihrer Führungskräfte und Mitarbeiter fördern und einen entsprechenden Rahmen bieten", empfiehlt Astrid Schütz. "Sie können zum Beispiel Schulungen für Führungskräfte anbieten, in denen diese lernen, wie sie gesundheitsförderlich mit sich selbst und ihren Mitarbeitern umgehen. Oftmals wird bislang die Gesundheit der Führungskräfte zu wenig fokussiert." Wichtig sei, dass Führungskräfte auch auf sich selbst und ihre Gesundheit achten, um diese Einstellung an Mitarbeitende weitergeben zu können. red