Die Nachricht, die Bürgermeister Andreas Pöhner bei der Aufstellung des Haushaltes den Gemeinderäten mitzuteilen hatte, ist eine kleine Sensation: Der Markt Wonsees hat seine Gewerbesteuereinnahmen von 2018 auf das Jahr 2019 von 97 000 Euro auf 522 000 Euro steigern können. Das bedeutet, dass der Markt plötzlich fast eine halbe Million Euro Mehreinnahmen hat. Leider wirkt sich genau das bei der Planung des Haushalts 2021 negativ auf die Finanzen aus. "Wenn wir ein erhöhtes Steueraufkommen haben, dann trifft uns das immer erst zwei Jahre hinterher", erklärte Verwaltungsleiter Herbert Schmidt.

Im Klartext bedeutet dies: Die Kreisumlage ist immens gestiegen, weil sie nach der Umlagekraft des Marktes bemessen wird. Außerdem lassen sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen im Gegenzug die Schlüsselzuweisungen sinken. "Auf einmal fehlen 440 000 Euro", brachte es Verwaltungsleiter Herbert Schmidt auf den Punkt.

Kreditaufnahme unumgänglich

Somit befinde sich der Markt Wonsees in einem echten Dilemma, denn er habe ein groß angelegtes Sanierungsprogramm, das aus der Städtebauförderung bezuschusst werde, in Angriff genommen. Und außerdem solle die Wasserversorgung ertüchtigt werden. "Die Förderungen fließen nur, wenn wir die Arbeiten bis Ende des Jahres abrechnen", erläuterte Schmidt. Aus diesem Grund komme der Markt 2021 nicht ohne Kredit aus. 1,048 Millionen Euro wolle der Markt aufnehmen. Schon im nächsten Jahr sollen dann 400 000 Euro davon getilgt werden. Schließlich erwarte man auch Rückflüsse.

"Wir haben den Verwaltungshaushalt in diesem Jahr sehr genau gerechnet. Auch die Zuführung zum Vermögenshaushalt ist geringer. Und auch beim Vermögenshaushalt haben wir sehr vorsichtig kalkuliert", erklärte der Verwaltungsleiter. Durch die Kreditneuaufnahme steige zwar die Pro-Kopf-Verschuldung auf 860 Euro, doch damit liege der Markt Wonsees noch im Landesdurchschnitt. Zudem werde die hohe Verschuldung auf nur ein Jahr begrenzt sein. Nach der für das Jahr 2022 geplanten Tilgung von 400 000 Euro (in den Jahren danach sei die Tilgung von weiteren 60 000 Euro vorgesehen) könne die Pro-Kopf-Verschuldung des Marktes bereits 2022 wieder auf 531 Euro sinken - und damit hätte der Markt Wonsees wieder den Landesdurchschnitt unterschritten, erklärte Herbert Schmidt.

Einnahmen und Ausgaben

Der Verwaltungshaushalt hat ein Volumen von 1,834 Millionen Euro. Die Schlüsselzuweisungen sinken heuer von 551 000 auf 290 000 Euro. Der Markt Wonsees rechnet trotz der Pandemie mit steigenden Einkommenssteuerbeteiligungen und steigenden Einkommenssteuerersatzleistungen. Auch bei Umsatz- und Gewerbesteuer geht der Kämmerer von leicht steigenden Zahlen aus. Bei den Benutzungsgebühren sind 50 000 Euro Mehreinnahmen im Vergleich zum letzten Jahr eingeplant.

Bei den Ausgaben schlagen verringerte Kindergartenzuschüsse (minus 41 000 Euro), weniger Abwasserbeseitigungseinnahmen (minus 95 800 Euro) und weniger Einnahmen aus dem Fremdenverkehr (minus 4000 Euro) zu Buche.

Der Vermögenshaushalt geht von Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 3,675 Millionen Euro aus. Die größten Ausgaben sind der Kanalbau Feulersdorf (500 000 Euro) sowie der Bau des Stauraumkanals und der Kanal Gemeindezentrum (510 000 Euro). Für das Gemeindezentrum Wonsees sind weitere 1,3 Millionen Euro eingeplant.

Ein wichtiges Projekt ist außerdem die Thurnauer Straße. Dort sind für Grundstückskäufe und Abbrucharbeiten 450 000 Euro eingeplant.

Verzicht auf Extras

Bürgermeister Pöhner rechnet damit, dass 161 000 Euro aus den Rücklagen entnommen werden können und dass 950 000 Euro Städtebauförderung zurückfließen. Für die Beseitigung der Leerstände in der Thurnauer Straße werden 250 000 Euro an Fördermitteln erwartet, für die Kanalbeiträge und die Abwasserleitung Feulersdorf insgesamt eine halbe Million Euro.

"Wir müssen die Projekte, die wir angestoßen haben, fortführen. Extras müssen wir weglassen", appellierte Bürgermeister Andreas Pöhner.

Die Mitglieder des Marktgemeinderates genehmigten den Haushalt und brachten die Haushaltssatzung und die Finanzplanung ohne Diskussion auf den Weg.