Harald Rieger

Mahmud Abdulrashid Noor braucht zwei gezielte Schläge mit dem Hammer, ehe die kleine Fensterscheibe zersplittert und er sie aus dem Rahmen nimmt. Die Prozedur muss er noch sieben weitere Male wiederholen, bevor er sich an die Restaurierung des alten Fensters machen kann. Abdulrashid Noor stammt aus Somalia und lebt als Asylbewerber seit zwei Jahren in Deutschland. Seit fünf Monaten hat er nun einen Ausbildungsplatz beim Fensterbauer Aas in Bamberg-Ost.
Seine Arbeit macht dem 23-Jährigen Spaß und sein Handwerksmeister bescheinigt dem jungen Somalier zwei geschickte Hände. Auch die Verständigung klappt schon ganz gut. Bis auf wenige Fachbegriffe kann er problemlos in Deutsch kommunizieren. Nur eines missfällt dem Flüchtling, der nach wie vor auf seine Anerkennung auf Asyl wartet: seine Unterbringung. "Ich wohne in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Schildstraße. Den Raum teile ich mir mit drei weiteren Männern. Da diese nicht zur Arbeit gehen, sind sie bis spät in die Nacht aktiv und nehmen oftmals nur wenig Rücksicht, wenn ich schlafen will oder lernen möchte", bedauert er.
Seine Geschichte schilderte er Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und anderen Politikern sowie Vertretern der Kammern. Aigner folgte einer Einladung der Handwerkskammer von Oberfranken und der IHK im Rahmen eines oberfränkischen Tags des Handwerks, an dem sie mehrere oberfränkische Betriebe besuchte.
In Bamberg lobte die Ministerin Mahmud Abdulrashid Noor als gelungenes Beispiel von Integration. "Hier sehen wir, dass Integration mehr ist, als den Menschen nur ein Dach über den Kopf oder einen Sprachkurs zur Verfügung zu stellen", betonte Ilse Aigner. Zudem ist sie der Meinung, dass das Handwerk die Menschen am besten integrieren könne: Denn zum einen könne bei der Arbeit vieles nonverbal allein durch Vormachen erklärt werden, und zum anderen seien gerade die kleinen Handwerksbetriebe oft noch familiär geführt und würden somit die Flüchtlinge in ihre Handwerksfamilie aufnehmen.
Der Handwerkskammerpräsident für Oberfranken, Thomas Zimmer, sowie IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller lobten die oberfränkische Vorreiterrolle in Sachen Ausbildungsplätze für asylsuchende Menschen. "In Oberfranken leben derzeit 11 628 Asylbewerber, davon sind 948 unbegleitete Minderjährige. Also ein großes Potenzial für die oberfränkische Wirtschaft", sagte Zimmer. Beide Kammern hätten sich daher auf die Fahnen geschrieben, gerade die jungen Flüchtlinge in Bildung und Ausbildung zu bekommen.


Rahmenvertrag hilft

Umso glücklicher sei man bei den Kammern, dass es gelungen ist, einen Rahmenvertrag mit der Politik zu schließen, der unabhängig davon, ob ein Flüchtling anerkannt wird oder nicht, mindestens über die drei Jahre seiner Ausbildung sowie anschließend weitere zwei Jahre in Deutschland bleiben darf, solange er seinen erlernten Beruf ausübe. Aktuell haben laut Zimmer alleine im Raum Bamberg seit September vergangenen Jahres 15 junge Asylbewerber eine Ausbildung im Handwerk begonnen : fünf angehende Bäcker, zwei Anlagenmechaniker, zwei Tiefbaufacharbeiter, ein Glaser, zwei Kfz-Mechatroniker sowie drei Bauten- und Objektbeschichter. Sie kommen aus Syrien, Somalia, Sierra Leone, Äthiopien und Afghanistan.
Sehr zufrieden mit ihrem neuen Azubi ist auch der Ausbildungsbetrieb Aas. So betonte der Chef der Firma, Philipp Aas, dass es am Anfang zwar etliche Hürden aus dem Weg zu räumen gegeben hätte, ehe der junge Somalier seine Ausbildung hatte anfangen können. "Uns hat damals seine Eigeninitiative überzeugt. Er absolvierte zuerst ein Praktikum bei uns und anschließend fragte er nach einer Lehrstelle", schilderte Aas. Sein Wunsch an die Politik wäre, dass, wenn Menschen wie Mahmud Abdulrashid Noor sich derart engagieren, auch belohnt würden. Beispielsweise mit zusätzlichen Deutschkursen oder mit einer eigenen Wohnung.
In Sachen Wohnung meldete sich Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) zu Wort: "Solange sie nicht anerkannt sind, müssen sie in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden, sonst verlieren sie ihren Anspruch auf finanzielle Leistungen." Allerdings wolle er sofort prüfen lassen, ob nicht alle 15 Bamberger Auszubildenden in einer gemeinsamen Unterkunft untergebracht werden können.