Bad Staffelstein — Ein Vortrag von Adelheid Waschka im ehemaligen Jugendheim in Bad Staffelstein brachte eingesessenen Staffelsteinern wie Besuchern die Kirchengeschichte Bad Staffelsteins und seiner Umgebung näher. "Die Kirchen in Bad Staffelstein" lautete der Titel des Vortrags, organisiert von der Kolpingfamilie Bad Staffelstein.
Waschka kennt die Gegend gut, ist sie doch seit zehn Jahren Stadtarchivarin in Bad Staffelstein und kümmert sich seit 2009 um das Stadtmuseum. Ihr Studium der Kunstgeschichte mit den Nebenfächern Denkmalpflege und Romanistik (vor allem Italienisch) ermöglicht ihr, nicht nur die geschichtlichen Aspekte hervorzuheben, sondern auch auf künstlerische Details in den Kirchen einzugehen.
In der Kirche St. Kilian, darauf weist sie hin, gebe es etwa eine kleine Figurengruppe der 14 Nothelfer. "Winzig klein, aber wunderschön im Detail ausgearbeitet. Das Christuskind ist in der Mitte." Nach der Beschreibung der Fassade und des Innenraums der von Johann Dientzenhofer gestalteten Klosterkirche von Banz St. Dionysius und St. Petrus fand sie treffende Worte, die wohl nicht nur auf diese Kirche zutreffen. "Man staunt einfach nur." Sie behandelte in ihrem Vortrag nicht nur die bekannten Gotteshäuser, welche die Silhouette der Stadt und des Umlandes prägen, sondern auch viele kleinere Kapellen und Filialkirchen. "Sie werden liebevoll von Personen gestaltet und hergerichtet", so die Referentin.
Sie führte den rund 45 Zuschauern den Anfang der christlichen Kirchengemeinschaften in der Gegend vor. Dazu gab es eine brisante Neuigkeit: "Wir haben herausgefunden, dass die Christianisierung hier viel älter ist als angenommen. Wir müssen unser Zeitrad einige Jahrhunderte zurückdrehen." Und das tatsächlich bis ins 6. Jahrhundert.


Die "Urpfarrei" Altenbanz

Hinweise gäben zum Beispiel die Dorfnamen. Man gehe davon aus, dass Römer damals in die Außenprovinz zogen, um dort Weinbau zu betreiben. Daher leite sich wahrscheinlich der Name des Ortes "Weingarten" ab. Um diese Zeit war in Altenbanz schon die "Urpfarrei", das heißt, für die Menschen aus dem damals noch nicht so dicht besiedelten Gebiet war Altenbanz der Ort, an dem sie heirateten, ihre Kinder taufen ließen und beerdigt wurden.
Mit Zeichnungen und Gemälden, Fotografien und Abzügen von alten Karten erklärte Waschka die Entwicklung in der Gegend. Vieles, was auf alten Karten verzeichnet ist, findet sich heute schwer wieder, so wie die Ägidiuskapelle von Kloster Banz, die auf einer Karte von 1661 noch zu sehen ist. Sie lag wahrscheinlich dort, wo heute der Friedhof ist.
Die Kirchen sind Zeugnis ausgetüftelter Baukunst. In Vierzehnheiligen fällt am Tag der Heiligen Drei Könige durch das Fenster ein Lichtstrahl genau auf das Jesuskind. Es gibt auch eine sogenannte Flüsterempore, das heißt, der Schall wandert über die Decke ans andere Ende der Kirche, so dass der Pfarrer mit dem Organisten kommunizieren konnte. Bei Vierzehnheiligen kommt man nicht umhin, die heutige Renovierung zu erwähnen. 1835 gab es dort einen schweren Brand, nach dem der Aufbau mehr schlecht als recht gelang. "Die heutige Restaurierung ist immer noch darauf zurückzuführen."
Es lohnt sich also, um die heutige Welt zu verstehen, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Und viele Zusammenhänge ergeben sich auch erst durch einen viel tieferen Blick in die Vergangenheit, wie das Beispiel Weingarten zeigte. So kann man die Heimat aus einem neuen Blickwinkel betrachten.