Ein voller Hegelsaal blickt erwartungsvoll auf die Bühne. Die dunkelblauen Uniformen sind herausgeputzt und die Abzeichen frisch poliert. Hoher Besuch ist heute zu Gast bei der Dienst- und Mitgliederversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Bamberg-Stadt: Staatsministerin Melanie Huml wird mehrere Mitglieder für 25 beziehungsweise sogar 40 Jahre aktive Dienstzeit im Namen des Freistaats auszeichnen.

Eine große Leistung, wenn man bedenkt: "So ein Einsatz nimmt keine Rücksicht darauf, ob es 2 Uhr nachts ist oder tagsüber während Ihrer Arbeitszeit", betont die Staatsministerin. Ständig stehe die Bamberger Wehr den Bürgern helfend zur Seite in so vielen Notlagen. "Das schafft nicht nur Sicherheit für jeden Einzelnen, sondern auch für die Familien ist das ein sehr wichtiger Punkt", findet Huml. Mehr als beachtlich sei, dass die Feuerwehr, entgegen dem Trend, nicht mit Nachwuchssorgen zu kämpfen habe. Das zeige, dass neue Freiwillige schnell in den Strukturen aufgenommen werden.

"Gott zur Ehr, dem nächsten Wehr" - getreu dem Motto war das Jahr 2018 sehr bewegt, wie Stadtbrandrat Matthias Moyano ausführte: Mehrere Firmenbrände, unter anderem der Brand der Darre in der Mälzerei Weyermann, forderten die freiwilligen Einsatzkräfte. Eine 20 Meter hohe Flamme erhellte damals den Nachhimmel. In der Sommerdürre standen 6000 Quadratmeter des Hauptsmoorwaldes in Flammen. Immer wieder sei es zu kleinen Explosionen von Gewehrmunition gekommen, die noch aus alten Tagen verstreut am Waldboden lag. "Dank der Drohnenbilder eines Pressevertreters konnten wir den Brandherd erst richtig einordnen", erklärt der Stadtbrandrat.

Die Brände im Bamberger Ankerzentrum im Dezember vergangenen Jahres stellten die Feuerwehrleute vor ganz neue Herausforderungen. Die Sicherheitslage sei teilweise sehr unklar gewesen, so dass eine Gefahr für die Feuerwehrkräfte nicht ausgeschlossen werden konnte, führt Moyano aus. Ein Großeinsatz hat damals zahlreiche Polizei- und Rettungskräfte in die Einrichtung geführt, in der die Lage zwischen Geflüchteten und Polizei eskaliert ist, sowie ein Zimmer in Brand stand.

Ein Fall, der auch politisch Wellen geschlagen hat. An die Oppositionsparteien im Landtag gerichtet spricht Stadtbrandrat Moyano: "Sparen Sie sich Ihre persönlichen Kommentare!". Die Rettungskräfte seien selbst in der Lage, die Situation direkt vor richtig einzuschätzen. "Mit Polemik wächst kein Vertrauen in unsere Einsatzkräfte. Das ist nur Bauernfängerei!", kritisiert Moyano. Im Saal gibt es großen Applaus.

In puncto Ausrüstung und Fahrzeuge geht es voran: Im Laufe des Jahres 2019 sollen ein neuer Rüstwagen sowie ein neues Löschfahrzeug den Fuhrpark der Bamberger Wehr erweitern. Ein neuer Wagen mit Drehleiter sowie ein Fahrzeug für Gefahrgut sind in Planung. Durch die Kampagne "Die Jugendfeuerwehr nimmt Fahrt auf" kamen schon gut 70 000 Euro an Spenden für ein eigenes Fahrzeug zusammen. "Das lief wirklich besser als gedacht", freut sich Stadtjugendfeuerwehrwart Alexander Wilhelm über den Erfolg der Aktion, die noch rund 15 000 Euro braucht, damit ein voll ausgerüsteter Mannschaftswagen auf dem Hof stehen kann.

Dass in Bamberg eine Menge Einsätze gefahren werden, zeigt die Statistik sehr eindrucksvoll: Mit 915 Alarmierungen waren die 393 aktiven Feuerwehrleute - die Jugend mitgezählt - im Jahr 2018 gut 2000 Stunden länger im Einsatz als noch Vorjahr. In 167 Fällen mussten die Floriansjünger Personen retten.

An Oberbürgermeister Andreas Starke und die anwesenden Stadträte gerichtet stellt Moyano klar: "Unsere Stadt wächst und die Feuerwehr muss mitwachsen". Apropos mitwachsen: Die Kinderfeuerwehr, die seit vergangenem Jahr schon die jüngsten Mitglieder für das Ehrenamt begeistern darf, steht nun für alle offen. "Damit schaffen wir es milieuübergreifend Menschen zusammenzubringen und für eine lebendige Stadtgesellschaft einzutreten", betont der stellvertretende Vorsitzende, Michael Zopf.

Wie wichtig eine funktionierende Feuerwehr für die Weltkulturerbestadt ist, weiß auch Oberbürgermeister Starke zu schätzen: "Die Bamberger Bürger setzen ihr Vertrauen in Sie und das soll auch 2019 Bestand haben." Auch die Jugendarbeit sei vorbildlich und schaffe gute Möglichkeiten, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Die Stadt schaffe mit dem neuen Feuerwehrhaus in Gaustadt, das bis ins Frühjahr 2020 stehen soll, die wichtigen Rahmenbedingungen. Auch werden bald neue Ersatzkleidungen in den Spinten der Wehren hängen. Dafür habe der Stadtrat 100 000 Euro bewilligt. Julian Megerle