Der Fokus auf die Frage, worauf es an Weihnachten wirklich ankommt - darin lag wohl das Hauptaugenmerk von Charles Dickens, als er seine berühmte Weihnachtsgeschichte ersann. Bei ihrer gelungenen Umsetzung des Klassikers mit Gesang und Pianospiel berührten Alexander Eyrich als Erzählkünstlerin und Nadine Schuster am Klavier die Herzen der Zuhörer.

Liebevoll-vorweihnachtlich war die Bühne im Festsaal des Bezirksklinikums Obermain von den beiden Künstlerinnen dekoriert worden. Ein weißer Schleier, sprich Tuch, legte sich übers Klavier und ein Arrangement mit einem zentral aufgebauten Holzpferdchen. "Das war einmal ein altes Karussellpferd. Gut möglich, dass da eine Seele drin wohnt", meinte Nadine Schuster lächelnd, darauf angesprochen.

Auch ein visuelles Erlebnis

Was folgte, war eine vom Publikum als akustisches und durch das Mimik- und Gestikspiel der Akteurinnen auch visuelles Erlebnis wahrgenommene Inszenierung von Dickens' Weihnachtsgeschichte und der damit verknüpften Botschaft. Alexandra Eyrich brachte als humorvolles Warm-up zunächst die Zungenbrecher-Geschichte "Der Schneesee" von Franz Fühmann mit großer Stimmfarbenvielfalt zum Vortrag. Beim Happy End hatte schließlich der Schnee-See-Klee-Reh-Fee-Dreh-Zeh-Weh-Vergeh-Tee der Heckenhexe mit Hacken-Haxen das Schnee-See-Klee-Reh-Fee-Dreh-Zeh-Weh aus dem Schnee-See-Klee-Reh-Fee-Dreh-Zeh der Schnee-See-Klee-Reh-Fee weggehext.

Das Band zum Publikum hatten die Künstler schon jetzt geknüpft. Dazu trug auch das Einbeziehen der Zuhörer bei, die Eyrich aufrief, an der passenden Stelle der nachfolgenden Weihnachtsgeschichte mit Aufstampfen, Klatschen, "Hey"-Ruf und simuliertem Pferdeschnauben mitzuwirken. Die Zuhörer ließen sich nicht lange bitten, es klappte vorzüglich.

Passend ausstaffiert nahmen Alexandra Eyrich als Erzählerin und Sängerin sowie Nadine Schuster begleitend am Klavier das Publikum mit auf die Reise durch die sich am Ende wandelnde Gefühlswelt des grantelnden und zunächst ichsüchtigen Geizhalses Ebenezer Scrooge. Anfangs noch konnte er dem Weihnachtsfest nichts abgewinnen, bis ihm in der Nacht von Heiligabend auf den 25. Dezember dann nacheinander die drei Geister der vergangenen, der diesjährigen und der künftigen Weihnacht erscheinen und ihm ins Gewissen reden. In der Inszenierung von Eyrich und Schuster trugen die Geister nicht von ungefähr die Namen Wolfgang, George und Ludwig. Die dazu ausgewählten Klassikstücke entsprangen nämlich der Feder von Mozart, Gershwin und van Beethoven.

Man merkte den beiden Künstlerinnen an, dass sie nicht zum ersten Mal gemeinsam auftraten. Es war kein Neben-, sondern ein Miteinander, ja geradezu ein Ineinanderfließen von Gesang, Erzählen und Pianospiel. Das dafür wie geschaffene geradezu malerische Ambiente des Festsaals, unterstützt durch die erwähnte Dekoration, bot die als perfekt empfundene Abrundung. Letztere erfuhr auch die Inszenierung mit einer ebenso ans Herz gehenden Interpretation des Songs "Gold von den Sternen" von Sylvester Levay. "Sein heißt werden, leben heißt lernen", heißt es darin passend zur Geschichte, in der sich die Hauptperson Scrooge schließlich auf die wahre Bedeutung des Weihnachtsfestes besinnt und seinen Mitmenschen gegenüber nun auch Mitmenschlichkeit walten lässt.

"Leise rieselt der Schnee"

Mit dem Lied "Leise rieselt der Schnee" erfuhr die Aufführung ein stimmungsvoll-zärtliches Finale. "Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen gelingt, die weihnachtlich gewollte Freude in das Jahr 2020 mitzunehmen", fand Alexandra Eyrich schöne Worte, die nachklangen. Was folgte, war ein nicht enden wollender Abschlussapplaus. Auch Charles Dickens wäre wohl begeistert gewesen.