Szenen, die selbst die Macher einschlägiger Fernsehshows nur schwer erfinden könnten, sollen sich im Sommer 2018 in der Wohnung eines Paares im nördlichen Landkreis Kronach ereignet haben. Ein 25-jähriger Mann soll damals seine 21-jährige Partnerin und Mutter seines Kindes gewürgt und somit eine gefährliche Körperverletzung begangen haben. So lautete die Kurzfassung von Staatsanwältin Jana Müller am Donnerstag vor dem Kronacher Amtsgericht.

Richter Christoph Lehmann musste sich wenig später noch weit schlimmere Szenarien als die vom vermeintlichen Tattag anhören, die aus der gesamten Beziehung geschildert wurden. Der Angeklagte hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl in unbekannter Höhe eingelegt. Nach dramatischen Schilderungen über körperliche Exzesse in der Beziehung konnte er den Gerichtssaal verlassen, das Verfahren wurde gegen Zahlung von 1050 Euro eingestellt.

"Ich habe sie nicht gewürgt, das stimmt nicht", beteuerte der schmächtige Angeklagte immer wieder und fügte hinzu: "Die hat sich die Verletzungen selbst beigebracht. Ich kann mich nicht verurteilen lassen."

Ein jammernder Angeklagter

Er erzählte und jammerte weiter: In der Beziehung sei seine Partnerin stets der aggressive Teil gewesen. Wenn er einmal ausgehen wollte, habe sie ihn oft eingesperrt, deshalb sei er auch mal über den Balkon geflüchtet. Geblieben sei er über die Jahre nur wegen des gemeinsamen Kindes: "Es ist mein Engel."

Schon vor dem angeklagten Vorfall und regelmäßig sei seine Partnerin - manchmal in aggressiver Weise - auf ihn losgegangen. Einmal habe sie auch seinem Vater einen Zahn herausgeschlagen. Seine Mutter habe sie "gestrampft". Einmal habe sie ihm nach einer Szene ins Bein gebissen und dabei geschrien: "Ich bring dich um."

Der Angeklagte meinte, dass seine Partnerin psychisch angeschlagen sei, wohl auch wegen ihres einstigen und manchmal noch aktuellen Drogenkonsums.

"Die Beziehung war nicht einfach, es gab viele Missverständnisse und jeden Tag Streit", erklärte die angeblich geschädigte 21-jährige Partnerin. Körperliche Übergriffe habe es ebenfalls gegeben, manchmal auch beidseitig. Der Angeklagte habe sie im Verlauf der Zeit nicht nur einmal, sondern viermal gewürgt. Einmal habe er sogar mit einer Bohrmaschine ein verriegeltes Türschloss zu einem Raum aufgebohrt, in dem sie sich verschanzt habe. Auch damals sei sie gewürgt worden. Von einem Biss in sein Bein wisse sie heute nichts mehr.

Was eine Freundin aussagte

Über angeblich harmonische Zeiten und Treffen in der Wohnung des Angeklagten und der Geschädigten berichtete eine Zeugin und Freundin des Paares. Sie charakterisierte die beiden so: "Die Liebe war da, aber halt nicht so offensichtlich, die hatten manchmal Aussetzer."

Unabhängig von den vorgeworfenen Taten schilderte die Zeugin: "Ich war wieder mal bei einem Saufgelage dort. Ich habe auch gekotzt, ich war voll durch den Wind. Mir ging es nicht gut, ich habe mich vollgereihert."

Der Angeklagte habe ihr die dreckige Wäsche ausziehen wollen, dann sei seine Freundin eifersüchtig geworden: "Sie hat ihn dann ins Bein gebissen." Irgendwann sei man nach Hause gegangen, weil die Stimmung so schlecht geworden sei. Würgemale habe sie bei der angeblich Geschädigten nur einmal gesehen, sie könne jedoch nicht sagen, wie diese entstanden.

"Es gab dort schon mehrere Einsätze", erinnerte sich eine Polizeibeamtin. Die angeblich Geschädigte habe schon mehrmals Anzeige gegen den Angeklagten erstattet, diese dann aber meistens wieder zurückgenommen, da sie kein Interesse mehr an der Verfolgung der Straftaten hatte.

Nach einem Rechtsgespräch unter den Prozessbeteiligten, ohne den Angeklagten, wurde das Verfahren von Richter Lehmann gegen die genannte Geldauflage eingestellt.