Ein freudiges "Na, na, na", begleitet von einem fröhlichen Pfeifen hallte Anfang dieses Jahres durch die Kantine der Werkstätten St. Joseph in Burgkunstadt. Das erste Lied war noch nicht einmal verklungen, da schwebten die Zuhörer schon auf Wolke 7 und verlangten lautstark nach der ersten Zugabe. Sie bescherten den Akteuren des oberfränkischen Liedermacherduos "Südsüdwest" eine Überraschung, denn für gewöhnlich erklingt der Ruf nach Verlängerung an anderer Stelle.
"Geistig behinderte Menschen sind ein sehr ehrliches Publikum, das mit dem Herzen dabei ist", stellt Gitarrist Markus Appelius aus Friesen rückblickend fest. Der 42-Jährige weiß das - schließlich hat er als Sozialpädagoge in den Werkstätten St. Joseph täglich mit ihnen zu tun.
"Ich bin seit acht Jahren in Rockerrente", stellt sich Gerhard Schubert aus Neukenroth vor, der es einst bei "Short'n'Small" und "Mr. Lou" krachen ließ und jetzt leisere Töne anschlägt. Diese Rockerrente wurde zum Unruhestand für den Neukenrother, der Liedermacher wie Reinhard Mey oder Georg Danzer verehrt. "Ich begann zunächst ohne Ambitionen, im stillen Kämmerlein Lieder zu schreiben. Dann spürte ich tief in mir drin, dass ich etwas loswerden möchte, was mir auf der Seele liegt."
Zusammen mit seinem alten Freund Markus Appelius, der bei der Rockband "Pyra" dem Rock'n'Roll frönt, posaunt er nun das, was ihm auf der Seele brennt, in die Öffentlichkeit hinaus. Im schlichten, ergreifenden und eingängigen Duktus eines Liedermachers mit lyrischer Ader.
Der Dialekt ist das sprachliche Mittel, mit dem Schubert die poetische Reise durch die vier Jahreszeiten, die Natur und die Probleme in der Welt umsetzt. "Die Mundart gibt meinen Liedern ein Leben und eine Seele, mit der ich viel näher an mir dran bin", sagt Schubert.
Heiter, ernst und in bilderreicher Sprache kommen die Texte der Stücke daher. Worte des Schreckens lassen in dem Lied "Schläfer" über islamistische Selbstmordattentäter aufhorchen. "Auf amoll wähn se aufgeweckt fenn Teufl. Nehma Messe, Beile, Bomben unn Geweh. Schickn arma Leut nein Tuod wie auf die Schloachbenk."
Und kontrastieren mit den fröhlich gezupften und gesungenen Melodien. "Ich habe diesen Kontrast ganz bewusst gewählt, weil ich für die Selbstmordattentäter nur Hohn und Spott sowie Verachtung übrig habe. Sie sind für mich keine Menschen mehr, sondern nur noch hasserfüllte Lebewesen." Schuberts Lieder sind oft dunkel, aber nie hoffnungslos.
Auch den Tod klammert der Barde nicht aus, weil er für den gläubigen Christen zum Leben dazugehört: "Wer ihn nicht ausblendet, lebt bewusster." Im Lied "Dahamm" besingt er mit ergreifenden Worten die letzten Stunden im Leben eines Menschen.