Lichtenfels/Bad Staffelstein — Der Grund, weshalb die Polizei ihm ins Haus kam, lag an einem Anruf seiner Frau. Die zeige ihn öfter grundlos an, das habe der Polizist doch zu wissen. Ungefähr so argumentierte der 65-jährige Angeschuldigte am Mittwoch vor Gericht.
Weil er im vergangenen Dezember einen vorwurfsvollen Brief mit schwer haltbaren Vorwürfen an die Polizei Bad Staffelstein verschickte, sollte der Staffelsteiner laut Strafbefehl 2000 Euro zahlen. Dafür hatte der Mann kein Einsehen, legte Einspruch ein und ließ seinen Fall verhandeln. Von seinen teils massiven Vorwürfen rückte er in der Verhandlung nie ab.
Am 2. Oktober 2013 rief die Frau des Angeschuldigten bei der Polizei an, um mitzuteilen, dass sie von ihrem Mann geschlagen worden sei. Diesem Anruf gingen Lichtenfelser Beamte nach. Daran nahm der Angeklagte genauso Anstoß wie an der Tatsache, dass die Polizei dem Anruf nachging.

"Brutal provoziert"

Zwei Monate später setzte der 65-Jährige einen Brief auf und formulierte darin, dass die ihn damals aufsuchenden Beamten "brutal provoziert" hätten, um einen "Grund zum Zuschlagen" zu finden. Die beiden Beamten mussten nun Stellung beziehen. Der Jüngere schilderte, dass "der Einzige, der immer aus der Haut gefahren ist, sowohl im Haus als auch bei der Polizei", der Angeschuldigte selbst gewesen sei. Einmal, als ein Polizeibeamter ihn anrief, um sich nach seinen Personalien zu erkundigen, habe dieser nur zu hören bekommen, dass die Polizei diese ja schon habe, und dann sei der Hörer von dem 65-Jährigen aufgelegt worden.
Der Pensionär hinterließ auch vor Gericht einen temperamentvollen Eindruck und erklärte, dass "der Bürger nicht wegschauen soll, wenn harmlose Bürger zusammengeschlagen werden". Was er damit meinte, blieb unklar. Jedoch versicherte der Angeschuldigte Richter Christoph Lehmann seiner schon häufigen schlechten Erfahrungen mit der Polizei. Einmal sei er gar "in der Nacht aus dem Bett gehauen" worden. Wofür der Beschuldigte in der gesamten Verhandlung nie ein Gespür zu bekommen schien, war, dass es die Pflicht der Polizei ist, auf Anrufe zu reagieren. Auch dann, wenn die anrufende Person vor Zeiten etwas angezeigt hat, was sich im Nachhinein als haltlos erwies. Die Frau des Beschuldigten jedenfalls rief bei der Polizei an und vermeldete, von ihrem Mann geschlagen worden zu sein. "Sie haben Ihre Frau geschlagen, Sie haben Ihre Frau geschlagen - Sie werden bestraft!" Diesen Satz habe er von den heranstürmenden Polizisten zu hören bekommen, so der 65-Jährige. Aber er suchte auch immer festzustellen, dass er doch "das Opfer" sei und seine Frau entmündigt. Dafür, dass sie die Polizei anrufe und erzähle, geschlagen zu werden, könne er nichts. "Ich bin da, weil meine Frau gerne die Polizei holt!"
Sowohl Staatsanwältin Michaela Heublein wie auch Richter Christoph Lehmann waren sich einig, dass ein Brief in der Schärfe und mit den geäußerten Anschuldigungen den Tatbestand der Verleumdung erfüllt. Die persönliche Situation des 65-Jährigen, gemeint war das Zusammenleben mit seiner Frau, erachtete Lehmann als schwierig und hielt ihm eine gewisse Belastung zugute. Jedoch deutete Lehmann auch an, dass ein Brief, der mit zweimonatiger Verzögerung aufgesetzt wird, reflektierter sein sollte.
Zwar bestätigte Lehmann in seinem Urteil die Einschätzung, wonach es sich bei dem Vorfall um eine Verleumdung gehandelt habe, jedoch zeigte er sich bereit, die Strafhöhe herabzusetzen. Statt 2000 Euro soll der Staffelsteiner Pensionär nun nur 1200 Euro zahlen. MH