Bernhard Panzer

Ein möglicher Gestaltungsbeirat für die Stadt Herzogenaurach soll auf den Prüfstand gestellt werden. Der Stadtrat beschloss in seiner letzten Sitzung, das Thema in einer gemeinsamen Sitzung von Bau- und Planungsausschuss im Januar ausführlich beraten zu lassen. Beantragt hatte die CSU, ein solches Gremium einzurichten. Es soll bei prägenden Bauvorhaben beratend tätig sein.
Die Sorge der Antragsteller ist es, dass solche Bauten sich negativ auf das Stadtbild auswirken könnten. Denn seit Jahren entstehen sowohl öffentlich als auch privat oder gewerblich viele markante Projekte. Manche seien architektonisch sehr gelungen, andere wiederum eben nicht, heißt es in dem Antrag. Und weiter: "Nachverdichtungen in gewachsenen Wohngebieten werden hinsichtlich ihrer Größe und architektonischen Gestaltung von vielen Bürgern sehr kritisch gesehen und aus städtebaulichen Gründen oft auch abgelehnt."
Ein solcher Gestaltungsbeirat könnte temporär geschaffen werden und eine "externe, unabhängige fachliche Beratung" bieten. Es soll projektbezogen arbeiten und das Ziel haben, die Qualität des Stadtbildes zu sichern beziehungsweise zu verbessern. Für jeden Bauherren sei "Sachverstand von außen" nützlich.


Kommune als communitas

CSU-Stadtrat Kurt Zollhöfer führte in der Sitzung aus, dass die Stadt durch ihre Planungshoheit auch eine kommunale Verantwortung habe. Es seien nicht nur die Millionenvorhaben, wie Bürgerzentrum oder Stadthalle, die die Stadt selbst baut. Denn eine Stadt bestehe auch aus Alltagsarchitektur, sagte Zollhöfer.
Seine Fraktionskollegin Ille Prockl-Pfeiffer verwies auf den sozialen Aspekt. "Die Kommune ist auch communitas", sagte sie. Man habe das Zeitalter des gemeinsamen Lebens. Für sie ist Stadtentwicklung "mehr als nur eine bauliche Neuordnung." Und weiter: "Was eine Stadt prägt, sind ihre Bürger." Diese sollte man bei Planungen frühzeitig ins Boot holen. Denn Architektur sei auch ein soziales Netzwerk.
Franz-Josef Lang war der dritte im Bunde, der seine Gedanken zum Antrag vortrug. Er stellte fest, dass die CSU mit ihrem Antrag keinesfalls eine Bevormundung der Bürger beabsichtige und auch ebenso wenig Kritik an der Arbeit des Planungsamts im Rathaus üben wolle. Man sehe einen unabhängigen Gestaltungsbeirat als Unterstützung. Denn die Vorstellungen von Investoren "dürfen nicht das Maß aller Dinge sein", sagte Lang. Als Negativbeispiel nannte er einen Gebäudekomplex, der gerade in der Erlanger Straße entsteht. Seiner Ansicht nach lasse dieses Objekt, zwischen Liebfrauenhaus und der Vorstadt mit ihrer Eintracht-Siedlung gelegen, "jedes Maß an Sensibilität und gewachsener Entwicklung vermissen."
Bürgermeister German Hacker (SPD) bezeichnete die Hinzunahme von externen Fachleuten in begründeten Einzelfällen als sinnvoll. Die Frage sei nur, bei welchen Projekten und in welcher Form man das tun sollte. Freilich gebe es auch private Objekte, die kritisiert werden können. "Mir gefällt auch nicht alles, was der Bauausschuss genehmigen muss", sagte Hacker. Aber "Baurecht ist Baurecht."


Hohe Qualität

Grundsätzlich lobte das Stadtoberhaupt seine Mitarbeiter. "Wir haben Sachverstand im Rathaus. Das Stadtplanungsamt hebt die architektonische Qualität wirklich hoch." Hacker: "Die gestalterische Qualität dieser Stadt ist meiner Ansicht nach hervorragend."
Anja Wettstein, die Leiterin des Stadtplanungsamts, ergänzte diese Aussagen aus ihrer Sicht. Man habe im Rathaus eine sehr umfassende Bauberatung und lege Wert auf die Qualität. Für einen Gestaltungsbeirat ergäbe sich da durchaus ein enges Korsett. Wettstein plädierte, dieses Gremium maßvoll einzusetzen und gezielt nur dort, wo es sich um prägende Vorhaben handelt.
Auch stellte sie fest, dass inzwischen vieles über die Genehmigungsfreistellung läuft. Sollten durch die Anregungen des Beirats plötzlich Genehmigungen erforderlich werden, könnte dies höhere Kosten für die Bauherren mit sich bringen.
Bürgermeister Hacker erläuterte noch, dass schon auf verschiedenen Wegen eine Beratung durch Dritte in der Stadt stattfinde. Es gebe Architektenwettbewerbe oder Auswahlverfahren und es würden schon jetzt externe Büros hinzugezogen, zum Beispiel wenn es um die Entwicklung von Bebauungsplänen geht. Selbst private Bauherren führten bei prägenden Projekten teilweise ebenfalls Architekturwettbewerbe durch.