und Manfred Schweidler

Vier Vermögensberater sitzen im Prozess um die angebliche "Kongo-Connection" in Würzburg auf der Anklagebank - pandemiebedingt und angesichts der vielen Beteiligten im 240 Quadratmeter großen Saal von Gut Wöllried.

Die angeblichen guten "Drähte" der vier Angeklagten zu Kongos Ex-Präsident Joseph Kabila gab es wohl genauso wenig wie Verbindungen zur Familie des türkischen Staatschefs Erdogan. In ihrem Geständnis offenbarten die vier mutmaßlichen Hochstapler, dass sie durch ihre Luftnummern - die vermeintliche Investition von Anlegern in Entwicklungshilfe-Projekte - nur ihr Luxusleben finanzierten.

Vor Gericht hat jetzt ein Wirtschaftsgutachter den leichtgläubigen Geldgebern auch die letzte Hoffnung genommen: Die Konten der vier geständigen Betrüger sind leer. Die Anleger werden von den investierten zweieinhalb Millionen Euro wohl nichts wiedersehen.

Der Prozess des Würzburger Landgerichts findet indes große Aufmerksamkeit, die bis nach Norddeutschland reicht. Einer der Angeklagten ist bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er soll im Jahr 2010, als dort sein Elternhaus versteigert wurde, einen Freund zu einer telefonischen Bombendrohung gegen das Landgericht Mosbach angestiftet haben. Die Versteigerung musste deshalb abgebrochen werden, der jetzt erneut Angeklagte wurde später überführt.

Sponsor erkaufte Anerkennung

Der Hauptangeklagte des Würzburger "Kongo-Prozesses" hat offenbar eine illustre Vergangenheit und ist in Norddeutschland in der Sportszene bekannt. Mit Geld seiner Anleger soll sich der Vermögensberater Ansehen als Präsident und Hauptsponsor des Handball-Zweitligisten WHV Wilhelmshaven erkauft haben. Seine Verhaftung und die Durchsuchung der Geschäftsstelle des niedersächsischem Vereins im vergangenen Herbst schlug dort hohe Wellen. Der Verein hatte sich mit den Millionen des Mäzens einen teuren Kader geleistet.

Vor der Wirtschaftsstrafkammer hat der vermeintliche Finanzjongleur nun gestanden, Kontakte aus seiner früheren Tätigkeit als Berater bei der Ärzte- und Apothekerbank missbraucht zu haben. Kunden überredete er, in Entwicklungshilfe-Projekte seiner Partner zu investieren. "Tatsächlich verfügten die Angeklagten aber zu keinem Zeitpunkt über marktreife Konzepte für die Projekte", hieß es im Prozess. Als für sein Schneeballsystem das Geld knapp wurde, präsentierte er einen Finanzierungsplan, der den Kunden bei einer Laufzeit von zwölf Monaten 100 Prozent Zinsen auf ihr Kapital versprach. Allein damit soll er zehn Anlegern knapp eine Million Euro abgeknöpft haben.

Das Würzburger Gericht lockte für Geständnisse der Angeklagten mit milderen Strafen und einem kurzen Verfahren: Die vier müssen mit Haftstrafen zwischen knapp drei und sieben Jahren rechnen. Das Urteil soll Anfang Juli fallen.