Dagmar Besand

Als die Corona-Pandemie begann, wurden sie bewundert und gelobt: Dankbar und mit Respekt blickte die Öffentlichkeit auf die Arbeit der Pflegekräfte in Krankenhäusern, Seniorenheimen und im ambulanten Pflegedienst. "Mit der zweiten Infektionswelle seit Herbst kommen die Menschen in Pflegeberufen nun zum zweiten Mal an die Grenze ihrer Belastbarkeit, doch mittlerweile wird deren Leistung beinahe als selbstverständlich angesehen", sagt Andreas Klenk, der gemeinsam mit Susanne Schicker-Westhoff die Firma Saum & Viebahn leitet.

"Ein Herzensanliegen"

"Wir sind alle so beschäftigt in unserem Alltag, dass wir nicht mehr hinschauen, was um uns herum passiert. Das finde ich wahnsinnig schade", sagt der Geschäftsführer. Für die Verantwortlichen bei Saum & Viebahn sei es "ein Herzensanliegen", ganz gezielt etwas für die Pflegerinnen und Pfleger zu zu tun. Eine Spende von 15 000 Euro soll deshalb speziell dazu dienen, die Bedingungen für die Pflegekräfte der Sozialstationen im Landkreis zu verbessern.

Diese Summe hat der Kulmbacher Textilverlag in den vergangenen beiden Jahren für die Schlaganfallhilfe und dabei insbesondere für die Ausbildung von Schlaganfallhelfern zur Verfügung gestellt.

Dieses Engagement will die Firma auch künftig fortsetzen. Corona-bedingt konnten in diesem Jahr jedoch keine Schlaganfallhelfer ausgebildet werden, das dafür gedachte Geld noch nicht eingesetzt. Deshalb kommt die aktuelle Spende nun der ambulanten Pflege zugute, einem Aufgabenbereich, den Susanne Schicker-Westhoff und Andreas Klenk als sehr wichtig ansehen.

Wie wird das Geld verwendet? Die Summe geht an die Diakonie Kulmbach, die bereits Partner in der Schlaganfallhilfe ist und die meisten Sozialstationen im Landkreis betreibt. Jedoch wird das Geld gerecht auf alle Sozialstationen der gemeinnützigen Träger verteilt. Das sind die Diakonie-Sozialstationen Kasendorf-Wonsees, Thurnau, Mainleus, Wirsberg und Kulmbach sowie die Sozialstationen der Arbeiterwohlfahrt und des Roten Kreuzes in Kulmbach und der Caritas in Stadtsteinach. 184 Mitarbeitende sind dort insgesamt beschäftigt, und entsprechend der jeweiligen Zahl der Pflegekräfte wird das Geld gerecht auf alle acht Stationen verteilt, so Diakonie-Geschäftsführer Karl-Heinz Kuch.

Eine echte Entlastung

Und was genau wird nun mit dem Geld gemacht? Es muss für eine gemeinnützige Aufgabe verwendet werden und soll eine echte Entlastung für die Pflegekräfte bringen, die rund 1200 pflegebedürftige Menschen im Landkreis Kulmbach versorgen. Zum einen wird das gespendete in Geld deshalb in eine Optimierung der durch das Corona-Infektionsrisiko besonders wichtigen Schutzausrüstung für jede Pflegerin investiert. "Das erleichtert die tägliche Arbeit und stärkt auch die Motivation unserer Pflegekräfte", so Karl-Heinz Kuch.

Darüber hinaus wird das Geld in ein Plus an Zeit investiert: Die Mitarbeiterinnen sollen mehr Zeit für ihre Pflegebedürftigen haben als ihnen das normalerweise möglich ist. Das nimmt Stress aus dem Arbeitsalltag und kommt letztlich auch den Pflegebedürftigen zugute. Kuch: "Dadurch wird es ein Stück weit einfacher, dem alltäglichen Druck des Durchgaloppierens zu entkommen." Der Diakonie-Geschäftsführer freut sich deshalb sehr über die großzügige Spende des Kulmbacher Unternehmens.

Für Andreas Klenk ist die Initiative unter dem Motto "Stärkung der heldenhaften Pflege" eine Möglichkeit, Wertschätzung für eine Berufsgruppe zu zeigen, die sonst zu wenig Anerkennung bekommt. "Natürlich kann dies nur eine kleine Geste sein angesichts des großartigen Einsatzes dieser Helfenden in einer umfassenden Krise."

Er wünscht sich, dass weitere Initiativen dem Beispiel folgen. Das Kulmbacher Unternehmen habe national und international alle Geschäftspartner gebeten, sich ebenfalls für den guten Zweck zu engagieren.

Die häusliche Alten- und Krankenpflege ermögliche es alten und pflegebedürftigen Menschen, zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung leben zu können. "Zu Hause zu sein, das bedeutet Sicherheit, Gefühl, Erinnerung und Kraft", so Klenk. Um das auch akut oder chronisch Pflegebedürftigen so lange wie möglich zu bieten, sind die Mitarbeitenden der häuslichen Alten- und Krankenpflege der Wohlfahrtsverbände in Stadt und Landkreis Kulmbach beinahe rund um die Uhr im Einsatz.

Bei jedem Wetter und am Feiertag

Sie helfen bei der Körperpflege und beim Essen, sie verabreichen Spritzen und helfen bei Anträgen, sie hören zu und finden Lösungswege bei schwierigen Fragen.

Das Ganze oft bis spät in die Nach, an Wochen- und Feiertagen, bei Wind und Wetter. Und während der Corona-Krise noch unter zusätzliche erschwerten Rahmenbedingungen. andreas Klenk: "Wir brauchen diese Frauen und Männer heute, morgen und in vielen, vielen Jahren - damit alle Menschen so unabhängig und selbstständig zu Hause leben können, wie es nur möglich ist."